Gesund im Alter

Aging und Antiaging

Die Alterungsvorgänge

Altern ist nicht nur genetisch programmiert

Unabhängig davon, dass das Altern genetisch festgelegt ist, wird die Geschwindigkeit des Alterns in erheblichem Ausmaß von der Lebensgeschichte und dem Lebensstil des Einzelnen beeinflusst. Das chronologische Alter – also die Anzahl an Lebensjahren – sagt deshalb nur bedingt etwas über unseren körperlichen Zustand aus. So kann die Haut eines 40-jährigen Sonnenanbeters beispielsweise ein „biologische Alter“ von 60 haben.

Unter den Faktoren, die das Altern nachweislich beschleunigen, finden sich sowohl äußere als auch innere Einflüsse. Viele dieser Einflüsse hängen mit unserer sozialen und seelischen Gesundheit zusammen. Bekannte Einflüsse auf das Altern sind:

  • Rauchen. Untersuchungen legen nahe, dass starke Raucher durchschnittlich um etwa 5–7 Jahre schneller altern [C04].
  • Starkes Übergewicht (Adipositas). Menschen mit starkem Übergewicht altern möglicherweise ebenfalls besonders schnell [C05].
  • Körperliche Inaktivität. Auch das ist gut dokumentiert: Wer aktiv lebt und sich viel bewegt, lebt länger – das zeigt etwa eine sehr aufwendige Langzeitstudie an älteren Bürgern in den USA .
  • Dauerstress. Bei Menschen, die unter psychischem und sozialem Druck stehen, lassen sich beschleunigte Alterungsprozesse beobachten. Dies erklärt zum Teil, warum die Lebenserwartung von Menschen in gehobenen sozialen Positionen weit über der von Menschen in untergeordneten und sozial aussichtslosen Positionen liegt.

Das Herz-Kreislauf-System im Alter

Das Altern von Herz und Gefäßen macht sich vor allem in der Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Belastungen bemerkbar. Denn ab dem 30. Lebensjahr lassen Gefäßelastizität und Herzmuskelkraft merklich nach. Die bereits mit der Geburt beginnende Arteriosklerose verstärkt diesen Prozess.

Es ist auch über 60 noch möglich, körperlich belastende Situationen zu meistern, aber eben nicht mehr die gleichen wie mit 20. Die nachlassende Gefäßelastizität und Herzmuskelkraft fordern immer häufiger ihren Tribut: die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Neigung zu Bluthochdruck verstärkt sich, die Kreislaufreflexe verzögern sich (mit der Folge z.B. orthostatischer Dysregulation), es kommt zu Schwindelgefühlen und kurzen Ohnmachtsanfällen (Synkopen) beim Aufstehen oder bei einem Lagewechsel. Unbehandelter Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes und hohe Blutfettwerte beschleunigen die Alterung des Herz-Kreislauf-Systems.

Dass sich die Herzleistung an unterschiedliche Erfordernisse immer schlechter anpasst, betrifft auch das nächtliche Wasserlassen (Nykturie), über das viele alte Menschen klagen. Dies hat weniger mit den Nieren als vielmehr mit der verringerten Pumpleistung des Herzens tagsüber zu tun. Durch sie „versackt“ das Blut tagsüber – der Schwerkraft folgend – in den Beinen, wodurch es zu Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe) kommt. Im Bett liegend fließen während der Nacht diese Wasseransammlungen zum Herzen zurück und kurbeln die nächtliche Harnproduktion an.

Das Hormonsystem im Alter

Die Menge an Geschlechtshormonen nimmt mit zunehmendem Alter ab, was für Frauen jedoch früher und mit einschneidenderen Konsequenzen verbunden ist als für Männer. Bei Frauen sinkt der Spiegel des Östrogens (Übersichtstabelle Geschlechtshormone) und anderer weiblicher Geschlechtshormone in den Wechseljahren deutlich. Da dies verhältnismäßig schnell geschieht, empfinden Frauen den sich verändernden Hormonspiegel oftmals als Phase des starken Umbruchs. Es kommt zu den typischen Wechseljahrbeschwerden, die Periode bleibt aus und damit erlischt auch die Fruchtbarkeit. Einhergehend bilden sich die Geschlechtsorgane zurück, die Scheidenschleimhaut wird dünner und trockener. Gerade an stark beanspruchten Stellen wie Händen und Gesicht neigt die Haut dazu, auszutrocknen und sie verliert ihre Elastizität. Der sinkende Östrogenspiegel spielt zudem eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Osteoporose.

Bei Männern macht sich der sinkende Testosteronspiegel (Übersichtstabelle Geschlechtshormone) weniger stark bemerkbar, da er langsamer und nicht so massiv abfällt. Zeugungsfähigkeit und Potenz bleiben beim Mann in aller Regel bis ins hohe Lebensalter erhalten. Verminderte Libido (sexuelle Lust), verringerte Muskelkraft, angestiegener Körperfettanteil, geringere Knochendichte (Osteoporose) und Depressionen können auf ein Sexualhormondefizit (PADAM = partielles Androgendefizit des alternden Mannes) hinweisen, treten jedoch auch bei altersentsprechenden Hormonwerten auf. In jedem Fall spielen die Veränderungen der Sexualhormone eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Prostatavergrößerung, von der 70 % der 70-jährigen Männer betroffen sind.

Weitere Hormone. Mit zunehmendem Alter vermindert ausgeschüttet werden auch das DHEA (Dehydroepiandrosteron = eine Hormonvorstufe, die in der Nebennierenrinde zu den aktiven männlichen und weiblichen Geschlechtshormone umgebaut werden), das Melatonin (wird in der Zirbeldrüse, einem Teil des Zwischenhirns gebildet und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus) und das Wachstumshormon (Somatotropin).

Der fälschlicherweise oft als Altersdiabetes bezeichnete Typ-2-Diabetes hat weniger mit Hormonveränderungen an sich, als vielmehr mit einer verminderten Ansprechbarkeit der Körperzellen auf die Insulinwirkung aufgrund von Fehlernährung und Übergewicht zu tun (metabolisches Syndrom).

Das Immunsystem im Alter

Alle Vorgänge der Immunabwehr setzen im Alter erst mit Verzögerung ein, was eine generell erhöhte Anfälligkeit für Infektionen nach sich zieht. In den Atemwegen und Lungen wird diese Gefährdung durch mangelnde Bewegung und Bettlägerigkeit zusätzlich gefördert, schnell drohen dadurch lebensbedrohliche Lungenentzündungen. Aufgrund der geschwächten Immunabwehr kann Fieber, was nicht zuletzt eine wichtige Leitbeschwerde des Körpers ist, nur schwach sein oder ganz ausbleiben. Eine rechtzeitige Diagnose und Therapie werden damit erschwert.

Das Muskel- und Skelettsystem im Alter

Muskeln. Das Verhältnis von Muskel- zu Fettmasse im Körper verschiebt sich mit zunehmendem Alter zugunsten der Fettmasse: Die Muskelmasse eines Erwachsenen verringert sich um 0,5 % pro Jahr und wird in der Regel durch Fett ersetzt. In Verbindung mit anderen altersbedingten Veränderungen (wie dem Rückgang der Leistungsfähigkeit von Herz und Lungen u.a.) ist dies eine wichtige Ursache für den körperlichen Leistungsverlust im Alter.

Knochen. Die Knochendichte nimmt mit dem Alter ab, wobei hier die Geschlechtshormone eine bedeutsame Rolle spielen. Die Knochen werden poröser und instabiler, alle Osteoporosevorgänge werden beschleunigt. Davon sind Frauen stärker betroffen, da ihre Geschlechtshormone in den Wechseljahren massiver abfallen als die der Männer.

Ausreichende körperliche Bewegung und Kalziumzufuhr ab dem 30. Lebensjahr beugen der Osteoporose im Alter vor.

Gelenke. Die für das reibungsarme Gleiten verantwortliche Gelenkknorpelschicht und die Gelenkschmiere, nutzen sich mit zunehmendem Alter ab. Die Knorpelschicht der Gelenke wird dünner, unelastischer und verliert ihre Glätte an besonders belasteten Stellen. Bei Überbeanspruchung kommt es deshalb leicht zu Entzündungen und zur Arthrose (Gelenkabnutzung). Am häufigsten sind davon die Hüftgelenke betroffen.

Das Verdauungssystem im Alter

Mundhöhle und Zähne. Viele Menschen nehmen in Kauf, im Alter nach und nach die Zähne zu verlieren. Sie empfinden die damit verbundene eingeschränkte Kaufunktion sowie die Ästhetik zwar als Problem. Aber als eines, das der Zahnarzt mit Teil- und Vollprothesen weitgehend beheben kann – dies jedoch durchschnittlich nur für die mäßige Zahl von etwa zehn Jahren: Solange Zähne vorhanden sind, wird der Druck beim Kauen über die Aufhängung der Zähne in den Zahntaschen als Zug und nicht als Druck auf den Knochen weitergegeben – und regt so den Knochenaufbau an. Weil sich der Kieferknochen durch die fehlende Zugbelastung bei Prothesenträgern zurück bildet, lockert sich die Prothese und muss erneuert oder neu unterfüttert werden. Wenn die Prothesen mit künstlichen Zahnwurzeln (Implantaten) im Knochen verankert werden, kann der Rückbildung des Kiefers zwar vorgebeugt werden, aber auch diese müssen meist nach etwa zehn Jahren ausgetauscht werden.

Besser ist es also, den Zahnverlust von vornherein zu vermeiden und dafür bestehen beste Voraussetzungen. Es gibt kaum ein Organ, das so gut auf Anti-Aging-Strategien – sprich Zahnpflege und Mundhygiene – anspricht, wie die Zähne. Bei guter Pflege können die eigenen Zähne bis ins hohe Alter erhalten bleiben.

Magen-Darm-Trakt. In Speiseröhre, Magen, Dünn- und Dickdarm (Magen-Darm-Trakt) schrumpft die Muskulatur, die für die Verdauung und den Transport des Nahrungsbreis zuständig ist. Zudem verändert sich die Darmflora. Beides sind Gründe, weshalb sich besonders ältere Menschen mit Verstopfungen herumplagen.

Leber und Bauchspeicheldrüse sind im Alter nicht mehr so aktiv. Dadurch werden in der Leber verstoffwechselte Substanzen wie Medikamente und Alkohol langsamer abgebaut.

Die Atmungsorgane im Alter

Die Elastizität der Lunge nimmt mit dem Alter ab. Dadurch verringert sich die Luftmenge, die mit einem Atemzug ein- und ausgeatmet werden kann (die Vitalkapazität), um fast die Hälfte. Zusätzlich verringert sich die Anzahl der Lungenbläschen, also die Fläche, die für den Austausch von Sauerstoff zwischen Blut und Atemluft zur Verfügung steht (und damit zum Altersemphysem führt). Verläuft das Altern normal, bemerken alte Menschen diese Leistungseinbußen erst, wenn sie sich größeren Anstrengungen stellen. Wenn zusätzliche Lungenschäden vorliegen, sei es durch langjähriges Rauchen oder eine Tuberkulose, sind die Leistungsreserven der Lunge so weit einschränkt, dass geringe Anstrengungen oder sogar der Ruhezustand genügen, um in Atemnot zu kommen.

Ein Blick ins Uhrwerk der Zelle

Wie sich Altern genau abspielt, davon bekamen Wissenschafter Anfang der 1960er Jahre eine erste Vorstellung. Leonard Hayflick machte in Zellkulturen aus menschlichen Bindegewebezellen die Beobachtung, dass die Teilungsrate von Zellen streng begrenzt ist: Nach etwa 50 Teilungen stellen die Zellen weitere Teilungen ein. Aufgrund dieser Forschungsergebnisse unterstellte er das Vorhandensein einer „inneren biologischen Uhr“, die die Teilungsrate und damit die Lebensdauer jeder Zelle begrenzt. Neuere Untersuchungen konnten zumindest einen Bestandteil dieser „Uhr“ identifizieren – es sind die Endkappen der Chromosomen, die Telomere (Chromosomenenden). Sie bestehen aus langen, eher unwichtigen DNS-Informationen und schützen die restliche „wichtige“ DNS davor, abgebaut zu werden. Dieser Pufferbereich fasert aber mit jeder Zellteilung weiter auf und nutzt sich ab, bis schließlich die „wichtigen“ DNS-Anteile dem Abbau ausgesetzt sind. Damit droht der Verlust wichtiger DNS-Informationen. Die Zelle hört jetzt auf sich zu teilen und aktiviert eine Art Selbstzerstörungsprogramm (es wird Apoptose = programmierter Zelltod genannt). Nur einem kleinen Teil der Körperzellen ergeht es nicht so: den Keimzellen (Vorstufen, aus denen sich Eizellen und Spermien entwickeln), den Stammzellen des Knochenmarks (aus ihnen reifen die Blutzellen heran) und bestimmten Blutzellen (Lymphozyten, die der Immunabwehr dienen). Sie alle haben ein bestimmtes Enzym, die Telomerase. Sie sorgt dafür, dass die Telomere immer wieder aufgebaut werden, weshalb diese Zellen sich unendlich teilen können, also unsterblich (immortal) sind.

Natürlich ließ die Entdeckung der Telomerase die Hoffnung aufkeimen, den Schlüssel zur Unsterblichkeit gefunden zu haben – eine Hoffnung, die schon bald platzte. Denn weitere Untersuchungen zeigten, dass die Telomerase nicht nur den Abbau der Telomere hemmt, sondern auch den wichtigsten Selbstzerstörungsmechanismus der Zellen (die erwähnte Apoptose) außer Kraft setzt. Und das verkehrt sich nur allzu leicht in einen Fluch: dann nämlich, wenn Zellen zu Krebszellen entarten. Anstatt nach einiger Zeit die Teilungen einzustellen, können sich die Zellen ungehemmt vermehren. Aufgrund der daraus resultierenden stark krebsfördernden Wirkung ist die Telomerase nie als Anti-Aging-Medikament in Frage gekommen.

Gehirn und Nervensystem im Alter

„Ich bin in einem Alter, in dem man Jugendsünden gestehen sollte, bevor man sie vergisst.“ |Ephraim Kishon

Gedächtnis. Das Langzeitgedächtnis bleibt bis ins hohe Alter konstant, während das Kurzzeitgedächtnis ab dem mittleren Lebensalter abnimmt. Damit ist das Kurzzeitgedächtnis in seiner fachlichen Definition gemeint, das ins Spiel kommt nach mehr als etwa sieben Informationseinheiten, zehn Sekunden oder nach einer kleinen Ablenkung. Als besonders störend wird das Nachlassen des prospektiven Gedächtnisses im Rahmen des normalen Alterungsprozesses empfunden, was die Erinnerung an Termine und Vorsätze umfasst.

Durch ausdauernde geistige Aktivität bis hin zum Gehirnjogging lassen sich diese Veränderungen jedoch bis ins 70. Lebensjahr verzögern – geistige Aktivität ist also ein wichtiges Element des Anti-Aging. Ein geistig reger und geübter alter Mensch kann deshalb ein besseres Gedächtnis haben als ein weniger geübter junger Mensch.

Kognitive Funktionen. Versteht man Kognition als Überbegriff für Leistungen wie Wahrnehmen, Erkennen, Erinnern und Denken – werden zwei Hauptgruppen unterschieden: die kristallisierten und die flüssigen Funktionen. Diese verändern sich im Alter unterschiedlich. Die kristallisierten Funktionen umfassen übungs- und bildungsabhängige Leistungen wie Sprach- und Wortverständnis sowie Sprachgeschwindigkeit. Sie nehmen im Alter kaum ab und sind durch Training sogar steigerbar. Die flüssigen Funktionen umfassen grundlegende, abstrakte und inhaltsübergreifende Leistungen wie beispielsweise die rasche Orientierung in einer fremden Umgebung und sind von einer schnellen und flexiblen Informationsverarbeitung abhängig. Sie nehmen im Alter kontinuierlich ab. Zudem sinkt die Informationsmenge, die in neuen Situationen pro Zeiteinheit gut verarbeitet werden kann.

Ein großes Problem gesundheitlicher, sozialer und ökonomischer Relevanz ist die steigende Häufigkeit der Demenz mit zunehmendem Alter. 3 % der 65 bis 69-Jährigen und bis zu 25 % der über 85-Jährigen sind davon betroffen.

Haut und Haare im Alter

Haut. Im Laufe des Lebens unterliegt die Haut wie die übrigen Organe einem natürlichen Alterungsprozess. Die ersten Anzeichen der Hautalterung machen sich bereits ab dem 30. Lebensjahr bemerkbar, wenn die Haut allmählich trockener wird, an Spannkraft verliert und erste Knitterfältchen zeigt. In höherem Alter entwickelt sich eine regelrechte Altershaut, die nicht nur trocken und faltig, sondern auch schuppig und rissig ist, im Extremfall ist sie dünn und zart wie Pergamentpapier. Die Anfälligkeit für Verletzungen steigt, Wunden brauchen länger zur Heilung und infizieren sich leichter. An Armen und Beinen bilden sich gelegentlich hartnäckige, ekzemartige Veränderungen, begünstigt durch kaltes Winterklima und trockene Heizungsluft, häufiges und heißes Baden oder Duschen sowie übermäßigen Gebrauch von Reinigungsprodukten. Sie sind meist mit quälendem Juckreiz verbunden. Allerdings tritt Juckreiz als typisches Symptom der Altershaut auch ohne äußerlich sichtbare krankhafte Hautveränderungen auf.

Da die Blutgefäße in der Altershaut brüchig werden, kommt es häufig zu flächigen Blutungen, die lange Zeit als blaurote Flecken sichtbar bleiben. An Gesicht und Händen bilden sich hellbraune Altersflecken, verursacht durch Abfallprodukte des Zellstoffwechsels.

Altershaut ist das Ergebnis von Abbauprozessen in allen Hautschichten: Die Lederhaut wird dünner, Unterhaut und Lederhaut verlieren an Elastizität, da ihre Fähigkeit zur Wasserbindung nachlässt und das Bindegewebe seine Struktur verändert. Durch diese Umbauvorgänge bildet die Haut nicht nur Falten, sondern oftmals auch tiefe, grobe Furchen, v. a. in Gesicht und Nacken. Da der Anteil an Fettgewebe in der Unterhaut abnimmt, fehlt die Unterpolsterung, die für eine glatte Hautoberfläche notwendig ist. Die Verbindung zwischen Unterhaut und darunterliegendem Gewebe wird lockerer, sodass sich die Haut in Falten abheben lässt.

Im Laufe der Zeit nimmt auch die Produktivität der Talg- und Schweißdrüsen ab, mit verschiedenen nachteiligen Folgen: Die Oberhaut wird trocken, da der Gehalt an Fett und natürlichen Feuchthaltefaktoren in der Hornschicht absinkt. Der Säureschutzmantel lässt nach und verliert seine Fähigkeit, alkalische Stoffe zu neutralisieren. So reagiert die Altershaut zunehmend empfindlich auf Seifen und andere Reinigungs- oder Pflegemittel mit alkalischem pH-Wert, also größer als 7. Auch die schützende Funktion der Hautbarriere leidet unter der absinkenden Talg- und Schweißproduktion. Sie wird durchlässiger für Krankheitserreger, Allergene und andere Schadstoffe, aber auch für Wirkstoffe in Medikamenten.

Entscheidend für die Geschwindigkeit der Hautalterung sind erbliche und hormonelle Einflüsse. Hinzu kommen umweltbedingte Faktoren, z. B. die Auswirkungen von Sonne, Wind, Nikotin, Alkohol und Umweltgiften. Hautareale wie Gesicht und Hände, die häufig der Sonne ausgesetzt sind, altern schneller und neigen besonders zur Bildung von Altersflecken. Intensives Sonnenbaden und Rauchen sind die wesentlichen Ursachen einer vorzeitigen Hautalterung. Anti-Aging-Konzepte für die Haut betreffen meist äußere Faktoren und hierbei vor allem die UV-Strahlung.

Im Gesicht vertiefen spätestens ab 35 die feinen Falten um die Augen (Krähenfüße), an der Stirn und um die Mundwinkel (Lachfalten). Diese Veränderungen werden durch die Mimik, aber auch das (Er-)Leben jedes Einzelnen entscheidend beeinflusst, das Leben gräbt in jedes Gesicht seine individuelle Geschichte. Zusätzlich kommt es zu einem allgemeinen Herabsinken der Gesichtsweichteile, was sich im höheren Lebensalter u.a. durch Tränensäcke bemerkbar macht (zur operativen Therapie).

Haare. Die Haare verlieren mit 35 bis 45 Jahren ihre Farbpigmente, werden silbrig-grau und in späteren Lebensabschnitten gar schlohweiß. Die Haare werden dünner und fallen teilweise aus. Vom androgenen Haarausfall sind vor allem Männer betroffen.

Nieren und Harnwege im Alter

Nieren. Die Leistungsfähigkeit der Nieren sinkt bei den meisten Menschen mit zunehmendem Alter. Die glomeruläre Filtrationsrate (Maß für die Leistung der Nieren) nimmt ab sowie die Fähigkeit, dem Primärharn die lebensnotwendigen Mineralien wieder zu entziehen (Rückresorption). Ist der Salz-Wasser-Haushalt belastet, reagieren die Nieren zeitlich stark verzögert, was normal und auch bei Jüngeren der Fall ist, z.B. nach einem Biergartenbesuch oder beim Höhenwandern. Um derartige akute Belastungen ausgleichen zu können, haben die Nieren eine große Leistungsreserve – selbst mit nur einer Niere lebt es sich in aller Regel vollkommen beschwerdefrei. Daher merkt der ältere Mensch im Normalfall nichts von seiner zunehmend eingeschränkten Nierenleistung. Erst wenn der Salz-Wasser-Haushalt (zusätzlich) akut belastet wird, sei es durch Operationen, schwere Infektionen, Behandlungen mit Infusionen oder einfach, dass zu wenig getrunken wird wegen des verminderten Durstgefühls im Alter, entgleist der Salz-Wasser-Haushalt. Neben einer Austrocknung (Exsikkose) droht im Alter auch ein Mineralstoffmangel (Übersichtstabelle Mineralstoffe), der eine akute Demenz vortäuschen kann.

In jedem Fall muss ab 70 die Dosis von Medikamenten, die bevorzugt über die Nieren ausgeschieden werden, reduziert werden. Dies ist besonders wichtig bei lange im Körper bleibenden Medikamenten, da diese sich bei längerer Überdosierung gefährlich anreichern und Vergiftungserscheinungen hervorrufen können.

Harnwege. Mit zunehmendem Alter mehren sich auch die Toilettengänge, bedingt durch das verminderte Fassungsvermögen und die nachlassende Kontraktionskraft der Harnblase, also der Fähigkeit, die Blasenmuskeln zusammenzuziehen. Eine nachlassende Spannung der Harnblasenschließmuskel, eine Vergrößerung der Prostata bei Männern und ein Absinken von Gebärmutter und Scheide sind Ursachen für die im Alter sehr häufigen Inkontinenzbeschwerden.

Psychische Veränderungen im Alter

Viele Menschen bemerken mit 60, 70 oder 75, dass sie den Alltag anders erleben. Die Veränderungen im Gefühlshaushalt (Psyche) sind individuell verschieden, aber durch drei Grundlinien charakterisiert:

  • Die Ausschläge zwischen entgegengesetzten emotionalen Polen werden kleiner, also etwa zwischen himmelhoch jauchzend und tief betrübt.
  • Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale, die den Betreffenden schon als jungen Menschen auszeichneten, verstärken sich.
  • Introvertiertes, also abschirmendes, zögerndes Verhalten nimmt eher zu, während extrovertiertes, also aus sich herausgehendes, offenes Verhalten eher abnimmt.

Die Veränderungen der Emotionalität des alternden Menschen werden leider oft verzerrt wahrgenommen, nämlich als unabänderlicher „Abbau“ in Richtung Depression, Traurigkeit und Unzufriedenheit mit dem Leben. „Wie könnte es anders sein, wenn man den langsamen ‚Verfall’ des eigenen Körpers miterlebt?“ werden sich viele junge Menschen fragen. Diese Perspektive ist jedoch irreführend.

Richtig ist, dass die Zufriedenheit mit Gesundheit und auch Sexualität mit zunehmendem Alter abnimmt, wie eine repräsentative Befragung von 2 000 Frauen und Männern aus dem Jahr 2002 zeigt. Entscheidend ist aber auch, dass in anderen Bereichen wie Wohnen und Finanzen sowie bei Männern in der Partnerschaft die Zufriedenheit im Alter steigt. Insgesamt bleibt deshalb die Lebenszufriedenheit bis ins hohe Alter weitgehend konstant und erfährt erst kurz vor dem Tod einen Einbruch.

Wichtig für diese Stabilität sind soziale und persönliche Ressourcen. Dagegen bedrohen Arbeitslosigkeit, geringes Haushaltseinkommen, fehlende feste Partnerschaft, soziale Isolation, Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus, exzessive Leistungsorientierung und eine negativ gefärbte Selbsteinschätzung und -wahrnehmung die Lebenszufriedenheit im Alter.

Sexuelle Funktionen im Alter

„Alter schützt vor Liebe nicht, aber Liebe vor dem Altern.“|Coco Chanel

Bei Männern und Frauen bleiben Sexualtrieb und sexuelles Verlangen bis ins hohe Alter erhalten, auch wenn sie insbesondere nach dem 50. Lebensjahr abfallen, und dies vor allem bei Alleinstehenden. Auch verändert sich körperlich bedingt das sexuelle Erleben, weshalb das Sexualverhalten reorganisiert wird: weg von der erlebnisorientierten frühen Partnerschaft hin zur sinn- und bindungsorientierten reifen Beziehung.

Beim Mann lässt die Erektionsfähigkeit ab dem 50. Lebensjahr deutlich nach. Die Erektion ist weniger prall, erfordert eine intensivere Stimulation und fällt schneller ab, was in Grenzen „normal“ ist. Gelingt sie nur noch selten oder gar nicht mehr, liegt eine erektile Dysfunktion vor. Auch steigt die Zeitspanne zwischen einem Orgasmus und der nächsten möglichen Erektion (Refraktärperiode) auf 12 bis 48 Stunden, wobei das Bedürfnis zur Ejakulation gleichzeitig nachlässt.

Bei der Frau über 50 befeuchtet sich in der Erregungsphase die Scheide verzögert, der Orgasmus ist oft kürzer und geht rascher zurück. Hingegen bei Frauen mit regelmäßiger sexueller Betätigung sind diese Veränderungen nach den Wechseljahren weniger ausgeprägt.

Allgemein sinkt die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und wird ersetzt durch andere Formen der körperlichen Nähe und Sinnlichkeit. Fehlt ein Partner, erlischt das Interesse an Sexualität und auch die tatsächlich praktizierte Sexualität – einschließlich der Masturbation – oft nach dem 60. Lebensjahr.

Sinnesorgane und Körperwahrnehmung im Alter

Sehen. Zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr müssen fast alle Menschen die Zeitung immer weiter weg halten, um noch scharf zu sehen. Damit gleichen sie die durch den Elastizitätsverlust ihrer Augenlinsen bedingte Altersweitsichtigkeit aus. Letztere ist nicht beeinflussbar, sie erreicht etwa in der Mitte des sechsten Lebensjahrzehnts ihren Höhepunkt.

Neben dem Elastizitätsverlust verlieren die Augenlinsen an Transparenz, so dass sie schon bei einem 50-Jährigen etwa zehnmal weniger durchsichtig sind als bei einem Kind. Vom 60. bis zum 90. Lebensjahr kommt es zu einer Abnahme der Kontrastempfindlichkeit des Auges. Hiermit ist die Fähigkeit des Auges gemeint, Hell-Dunkel- bzw. Dunkel-Hell-Unterschiede zu erkennen. Dies ist Voraussetzung z.B. für die Erkennung eines Gesichts. Die Pupillen können sich im Alter nicht mehr so weit öffnen und reagieren behäbiger auf einen Wechsel der Lichtverhältnisse. Daraus resultieren eine erhöhte Blendempfindlichkeit und Schwierigkeiten beim Sehen im Dunkeln sowie beim abrupten Wechsel zwischen hell und dunkel.

Die altersabhängige Makuladegeneration ist in den Industrieländern die häufigste unwiderrufliche (irreversible) Erblindungsursache im Alter und zur am stärksten verbreiteten Ursache für die Verminderung der Sehleistung jenseits des 50. Lebensjahrs geworden. Sie wird von vielen Faktoren wie Vererbung, Umwelt und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck beeinflusst und kann durch Anti-Aging-Maßnahmen nachweislich verhindert werden.

Hören. Die Altersschwerhörigkeit ist eines der häufigsten gesundheitlichen Probleme älterer Menschen. Mit 65 ist die Hälfte, mit 90 sind 90 % der Bevölkerung betroffen. Tendenziell ist der Hörverlust bei Männern stärker ausgeprägt, er beginnt früher als bei Frauen und schreitet rascher voran. Bei beiden Geschlechtern steht der Verlust beim Hören der hohen Frequenzen (8000 Hertz = Hz) im Vordergrund, während das Hörvermögen in niedrigeren Frequenzbereichen langsamer nachlässt. Werden für das Verständnis von Sprache wichtige Frequenzbereiche (1000–3000 Hz) erreicht, treten Verständnisschwierigkeiten auf. Diese betreffen zuerst und besonders die in höheren Sprachfrequenzbereichen übermittelten Konsonanten („t“, „p“, „k“, „f“, „s“ und „ch“). Ähnliche Wörter wie „Matte“ und „Mappe“ werden schwerer identifizierbar, Wortteile können nicht mehr richtig auseinander gehalten werden. Ältere Menschen beklagen sich deshalb meist nicht darüber, dass sie nichts hören, sondern dass sich der Sprechende unverständlich ausdrücke bzw. „nuschele“. Kommen beispielsweise im Restaurant oder an einer befahrenen Straße Nebengeräusche hinzu, macht sich der Einfluss der Altersschwerhörigkeit besonders stark bemerkbar.

Mit Hörgeräten können diese Verluste heute zum Teil sehr gut ausgeglichen werden, um optimal von den Hörgeräten zu profitieren ist jedoch intensives Training erforderlich.

Schmecken und Riechen. Geschmack und Geruch sind eng miteinander verknüpfte Sinneswahrnehmungen. Altersbedingt geht der Geschmackssinn zurück, unter anderem da sich die Zahl der Geschmacksknospen verringert. Dies betrifft vor allem die Qualitäten „salzig“, „bitter“ und, etwas weniger ausgeprägt, „sauer“. „Süß“ bleibt weitgehend erhalten. Der Geruchssinn lässt ebenfalls nach, wovon Männer tendenziell stärker betroffen sind als Frauen. Beide Veränderungen führen dazu, dass man normal gewürzte Speisen zunehmend als fade schmeckt, was wiederum in Appetitlosigkeit und ungenügender Nahrungsaufnahme münden kann.

Schmerzempfinden. Die Abnahme der Schmerzwahrnehmung mit zunehmendem Alter bietet Vor- und Nachteile. So werden dadurch etwa chronische, mit Schmerzen verbundene Erkrankungen oftmals als weniger belastend empfunden. Wenn der Schmerz als Warnsignal des Körpers jedoch nachlässt, werden auch Verletzungen, Infektionen und andere Schädigungen erst später registriert. Eine besondere Rolle spielt dies beispielsweise bei bettlägerigen Patienten, die gezwungen sind, lange in unveränderter Position zu bleiben. An anfälligen Stellen wie dem Steißbein kommt es in diesen Fällen zu Druckstellen (Dekubitus), die von den Betroffenen nicht oder zu spät bemerkt werden.

Durst. Der Rückgang der Durstwahrnehmung führt bei Senioren oft zur Austrocknung (Dehydratation). Selbst im fortgeschrittenen Stadium verspürt der Betroffene dabei aber keinen starken Durst, sondern ist nur in hohem Maße verwirrt.

Soziale Veränderungen im Alter

Gesellschaft, Familie, berufliches und soziales Umfeld beeinflussen die individuelle Wahrnehmung und Gestaltung des Alterungsprozesses. Markante familiäre oder berufliche Einschnitte lassen mitunter überhaupt erst gewahr werden, dass man älter geworden ist und ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat:

  • Die Midlife Crisis ist ein populärwissenschaftlicher Begriff für eine Bilanz- und Sinnkrise, vor allem von Männern zwischen 35 und 50 Jahren. Psychologisch kann sie angesehen werden als Reaktion auf das absehbare Ende des beruflichen Aufstiegs, die nachlassende Attraktivität im Beruf und als Mann, und den Zwang zur Auseinandersetzung mit dem Älterwerden.
  • Als empty nest, also „leeres Nest“ wird die Phase im Leben von Eltern bezeichnet, wenn die Kinder das elterliche Haus verlassen haben. Frühere Forschungen konzentrierten sich auf die negativen Auswirkungen wie Depressionen und Schlafstörungen, die als Empty-Nest-Syndrom beschrieben wurden. Neuere Forschungen betonen die positiven Aspekte wie das Genießen von neuen Freiräumen und der Arbeitsentlastung in Haushalt und Erziehung.
  • Die Pensionierung (Renteneintritt) ist für jeden Betroffenen eine einschneidende Veränderung im höheren Lebensalter, die eine Neuorganisation verlangt, nicht nur des eigenen Lebens, sondern auch der Partnerschaft.

Wie wir älter werden

Auf die Frage, wie die biologische Uhr tickt – letztendlich also, wie das programmierte Altern unserer Zellen abläuft – gibt es eine Reihe von Erklärungsmodellen, z. B. die fortschreitende Verkürzung der Telomere, die Anhäufung von Stoffwechselabfallprodukten in den Zellen (z. B. des Lipofuszins) oder die Theorie vom oxidativen Stress. Ein Fazit lässt sich schon jetzt aus den verschiedenen Theorien ziehen: Das Alter wird nicht nur von einem, sondern von mindestens einem halben Dutzend Zahnrädchen gesteuert, die gemeinsam das biologische Uhrwerk ausmachen. Die Evolution geht bei diesem zentralen Prozess sozusagen auf Nummer sicher.

Dazu passt auch die Tatsache, dass unsere Organsysteme in etwa synchron altern. Das Gehirn eines 80-Jährigen ist ähnlich alt wie sein Herz oder seine Nieren. Alles andere wäre Energieverschwendung: Es macht von der Evolution her gesehen keinen Sinn, etwa das Herz oder die Lungen im Verlauf des Lebens jung zu halten, die Nieren aber altern zu lassen. Die Reservekapazität aller Organe wird also kleiner und kleiner, bis die Organe den zusätzlichen Belastungsspitzen, seien es Krankheiten oder die Belastungen des Alltags, nicht mehr gewachsen sind. Dies ist der Grund, warum der alte Mensch gegen hunderte von Krankheiten in allen Bereichen anfälliger ist: Er bekommt häufiger Krebs, aber auch öfter Infektionskrankheiten, Autoimmunerkrankungen, Sehbehinderungen, Depressionen, Hörverluste, ja, selbst Unfälle sind im Alter weitaus häufiger.

Wie stark die einzelnen Organsysteme – trotz der individuellen Einzigartigkeit, mit der jeder den Alterungsprozess erlebt – in etwa durch altersbedingte körperliche Veränderungen betroffen sind, verdeutlicht die nachfolgende Tabelle.

Weiterführende Informationen

  • I. Füsgen: Geriatrie. Kohlhammer, 2004. Der Klassiker unter den Fachbüchern über das Altern, in zwei Bänden. Obwohl ein Fachbuch für Mediziner, ist es auch für Nichtfachleute sehr gut lesbar, und auch die sozialen und psychischen Seiten des Alterns finden angemessenen Raum.