HNO, Atemwege und Lunge

Erkrankungen des Ohrs

Akute Mittelohrentzündung

Akute Mittelohrentzündung (Otitis media acuta): Ein- oder beidseitige Entzündung der Schleimhaut des Mittelohrs.

Die akute Mittelohrentzündung ist oft Folge einer Erkältungskrankheit mit Schnupfen und durch Bakterien ausgelöst. Besonders häufig sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen. Aber auch bei Schulkindern ist die akute Mittelohrentzündung noch eine häufige Ursache für Krankschreibungen. Die Erkrankung heilt meistens nach wenigen Tagen folgenlos ab, wenn die Belüftung des Mittelohrs über die Ohrtrompete sichergestellt ist. In seltenen, schweren Fällen breitet sie sich auf die Hohlräume des Warzenfortsatzes (Mastoiditis) oder die Hirnhäute (Hirnhautentzündung) aus.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Heftige stechende, pulsierende oder klopfende Ohrenschmerzen
  • Oft Fieber und beeinträchtigtes Allgemeinbefinden, Erkältungsbeschwerden
  • Gelegentlich Schwindel
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern häufig untypische Beschwerden, wie Reiben am Ohr, Trinkunlust, häufiges Schreien, Bauchschmerzen, Durchfall und hohes Fieber
  • Eventuell Ausfluss von Sekret aus dem Ohr, wenn das Trommelfell platzt.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • der Verdacht auf eine Mittelohrentzündung besteht.

Sofort, wenn

  • sich bereits abgeklungene Beschwerden wieder verstärken.
  • Rötung und Schwellung hinter dem Ohrläppchen auftreten und/oder das Ohr absteht (Gefahr einer Mastoiditis).
  • starke Kopfschmerzen, ein steifer Nacken und/oder starke Müdigkeit hinzukommen (Gefahr einer Hirnhautentzündung).

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Mittelohrentzündungen treten meist als Folge einer Erkältung und daher bevorzugt in den Wintermonaten auf. Dabei gelangen die Erreger (überwiegend Bakterien, z. B. Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae) über die Ohrtrompete in das Mittelohr und lösen dort eine Entzündung der Schleimhaut aus.

Die Folge ist eine fortlaufende Produktion von Sekret. Da dieses – im Gegensatz zum Schnupfen – nicht durch die Nase abfließen kann, staut es sich hinter dem entzündeten Trommelfell. Der Sekretstau drückt schmerzhaft auf das Mittelohr und führt zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit. Meist bildet sich die Entzündung des Trommelfells im Laufe weniger Tage von selbst zurück und das aufgestaute Sekret wird langsam wieder in den Körper aufgenommen.

Manchmal bleibt nach einer Mittelohrentzündung noch über Wochen ein Paukenerguss bestehen. Reißt das Trommelfell dann infolge des zunehmenden Drucks, fließt das Sekret in den Gehörgang ab. Die Schmerzen lassen nun schlagartig nach und die Mittelohrentzündung heilt rasch und folgenlos ab. Das geplatzte Trommelfell schließt sich binnen weniger Tage von selbst.

Ursachen und Risikofaktoren

Am häufigsten tritt die Mittelohrentzündung zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat auf. Sie ist in dieser Altersgruppe deshalb so häufig, weil Kleinkinder noch eine kurze, weite und – im Unterschied zum Erwachsenen – horizontal verlaufende Ohrtrompete haben, über die Krankheitserreger leicht aus dem Nasenrachen in das Mittelohr aufsteigen. So erleben schätzungsweise 2 Drittel aller Kinder vor ihrem 6. Geburtstag eine akute Mittelohrentzündung, danach wird die Erkrankung seltener.

Die akute Mittelohrentzündung wird begünstigt durch vergrößerte Rachenmandeln (Polypen) und Passivrauchen. Die Rolle von Allergien wie Heuschnupfen ist umstritten, wahrscheinlich verursachen sie für sich alleine die Mittelohrentzündung nicht.

Komplikationen

Häufige Mittelohrentzündungen können einen bleibenden Trommelfellschaden mit Schwerhörigkeit hinterlassen oder in eine chronische Form übergehen (chronische Mittelohrentzündung).

Eine heutzutage seltene Komplikation der Mittelohrentzündung ist die Mastoiditis, bei der die Mittelohrentzündung auf die mit Schleimhaut ausgekleideten Hohlräume im Warzenfortsatz übergeht. Zu ihrer Behandlung ist eine Operation erforderlich, wobei der Arzt den Knochen hinter dem Ohr unter Vollnarkose eröffnet und den Eiter und die entzündete Schleimhaut entfernt.

Eine Weiterleitung der akuten Entzündung kann in seltenen Fällen auch eine einseitige Gesichtslähmung durch Mitbeteiligung des Gesichtsnervs (Nervus facialis) auslösen. Eine weitere Komplikation ist die Labyrinthitis, d. h. die Entzündung des Innenohres mit Tinnitus, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen.

Diagnosesicherung

Der Arzt stellt die Diagnose anhand der Vorgeschichte – typisch ist ein vorangegangener Schnupfen – und der charakteristischen Beschwerden des Patienten. Anschließend sieht er sich mit dem Otoskop, einem Ohrtrichter mit Lampe und Lupe, oder dem Ohrmikroskop das Trommelfell an. Ergänzend kommen bei komplizierten Verläufen Hörprüfungen, Gleichgewichtstests, bildgebende Untersuchungen des Schädels und/oder ein Blutbild hinzu.

Behandlung

Pharmakotherapie

Häufig verordnet der Arzt Antibiotika; Mittel der Wahl ist ein Breitbandpenizillin, z. B. Amoxicillin, das gegen eine breite Anzahl von Erregern wirkt und 7 bis 10 Tage lang mehrmals täglich eingenommen wird.

Viele Studien zeigen inzwischen, dass nicht jede Mittelohrentzündung gleich mit Antibiotika behandelt werden muss. Etwa 80 % der Kinder werden auch ohne innerhalb weniger Tage gesund. Die kinderärztlichen Fachgesellschaften empfehlen die automatische Antibiotikagabe nur noch bei Kindern unter 6 Monaten. Bei Kindern zwischen 6 Monaten und 2 Jahren kann auf Antibiotika verzichtet werden, wenn sich der Arzt mit der Diagnose nicht ganz sicher ist (dies ist wegen der häufig durch Ohrenschmalz verlegten Gehörgänge gar nicht so selten) und wenn es dem Kind einigermaßen gut geht (d. h., wenn das Fieber 39 °C nicht übersteigt und die Ohrenschmerzen auszuhalten sind). Bei Kindern ab 2 Jahren kann auch bei einer gesicherten Mittelohrentzündung auf Antibiotika verzichtet werden, wenn es dem Kind einigermaßen gut geht.

Operative Behandlung

Ein Trommelfellschnitt (Parazentese) wird erwogen, wenn sich das Trommelfell wegen des entzündungsbedingten Drucks im Mittelohr stark vorwölbt – der Patient spürt dann starke Schmerzen. Durch diesen Entlastungsschnitt kommt es zur sofortigen Erleichterung für den Patienten, weil das abfließende Sekret den Druck im Mittelohr reduziert.

Prognose

Bei frühzeitigem Behandlungsbeginn heilt die akute Mittelohrentzündung in der Regel vollständig aus. Werden jedoch eventuell vorliegende Behinderungen der Nasenatmung wie beispielsweise Polypen nicht behoben, droht die Entwicklung einer chronischen Mittelohrentzündung.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Antibiotika.Hat der Arzt Ihnen oder Ihrem Kind Antibiotika verschrieben, sorgen Sie dafür, dass diese wie verordnet und bis zum Schluss eingenommen werden, auch wenn die Beschwerden früher abklingen.

Freies Ohr.Bei Ohrenausfluss dürfen Sie keine Watte in den Gehörgang stecken – dadurch bildet sich eine feuchte Kammer, in der sich Krankheitserreger schnell vermehren.

Wärme.Bestrahlungen mit Rotlicht, Heizkissen oder Wärmflasche lindern die Beschwerden, da durch die wärmebedingte Weitstellung der Gefäße vermehrt entzündungshemmende Zellen ins Krankheitsgebiet gelangen und die Erkrankung schneller ausheilt. Achten Sie auf einen Mindestabstand zur Lampe, damit keine Verbrennungen entstehen.

Zwiebelsäckchen.Ein beliebtes Hausmittel gegen Ohrenschmerzen ist das Zwiebelsäckchen: Dafür legen Sie die kleingeschnittenen Teile einer Zwiebel in ein Baumwolltaschentuch und falten es zusammen. Nachdem Sie das Säckchen vorsichtig in der Mikrowelle erwärmt haben, legen Sie es für eine halbe bis eine Stunde auf das betroffene Ohr.

Geeignete Medikamente

Schmerzmittel. Eine Tubenbelüftungsstörung kann – vor allem nachts – Schmerzen wie bei einer Mittelohrentzündung verursachen. Diese Schmerzen sind aber nach einigen Stunden verschwunden (es bleibt höchstens noch ein "komisches" Gefühl in den Ohren), während die Schmerzen einer Mittelohrentzündung länger anhalten. Deshalb sollte zunächst ein Schmerzmittel gegeben werden, z. B. Paracetamol oder Ibuprofen. Bleiben die Schmerzen nach Abklingen des Schmerzmittels aus, dann lag keine Mittelohrentzündung, sondern eine Tubenbelüftungsstörung vor.

Ohrentropfen. Ohne Verordnung des Arztes dürfen Sie bei einer Mittelohrentzündung keine Ohrentropfen anwenden. Bei noch intaktem Trommelfell können diese gar nicht in das Mittelohr gelangen und bei einem bereits erfolgten Riss rufen sie möglicherweise Innenohrschäden hervor.

Komplementärmedizin

Homöopathie. Je nach Begleitsymptomatik empfiehlt die Homöopathie in der Akutphase häufige Gaben z. B. von Aconitum, Belladonna, Chamomilla oder Ferrum phosphoricum in niederen Potenzen. Als homöopathisches Komplexmittel stehen z. B. Otovowen® Tropfen zur Verfügung.

Prävention

Rauchverzicht.Verzichten Sie im Umfeld von Säuglingen und Kleinkindern, die häufig unter akuten Mittelohrentzündungen leiden, unbedingt auf das Rauchen. Dieses "Rauchverbot" umfasst am besten die ganze Wohnung, denn Studien haben gezeigt, dass Kleinkinder auch unter separaten und für sie nicht zugänglichen Raucherzimmern nachweisbar leiden und häufiger erkranken. Geben Sie Kindern ihre Milchflasche nicht im Liegen zu trinken, da dies möglicherweise Mittelohrentzündungen fördert. Stillen schützt nachweislich vor Mittelohrentzündungen.

Rachenmandeln.Keinen vorbeugenden Effekt hat dagegen die operative Entfernung vergrößerter Rachenmandeln bei Kindern unter 4 Jahren. Ob eine Pneumokokken-Schutzimpfung die Rückfallgefahr vermindert, ist nicht bekannt.

Altersschwerhörigkeit

Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis): Altersabhängige, meistens beidseitig bestehende Innenohrschwerhörigkeit bei Personen über 50 Jahren.

Charakteristischerweise gehen zunächst die hohen Frequenzen verloren. Noch stärker als das Tongehör ist das Sprachverstehen beeinträchtigt, vor allem wenn sich mehrere Personen gleichzeitig unterhalten. Mit 90 Jahren sind 90 % von der Altersschwerhörigkeit betroffen, Männer deutlich häufiger als Frauen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Probleme beim Sprachverstehen, vor allem bei Hintergrundgeräuschen
  • Verstärkte Lärmempfindlichkeit
  • Eventuell Tinnitus.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn

  • das Sprachverstehen nachlässt.

Die Erkrankung

Verlauf

Altersschwerhörigkeit entwickelt sich in der Regel allmählich, tritt jedoch wie die Alterssichtigkeit längst nicht bei allen Menschen auf. Erste Anzeichen sind bereits im vierten Lebensjahrzehnt möglich. Ab dem fünften Lebensjahrzehnt nimmt das Beschwerdebild deutlich zu. So leidet in der Gruppe der über 65-Jährigen etwa die Hälfte der Männer und ein Viertel der Frauen unter Altersschwerhörigkeit.

Anfangs können die Betroffenen andere Personen im Gespräch schlecht verstehen, besonders bei starken Hintergrundgeräuschen. Des Weiteren nimmt das Schallempfinden ab, was zunächst die hohen Töne und später auch die tieferen betrifft. Paradoxerweise tritt gleichzeitig eine Lärmüberempfindlichkeit auf – "Kind, schrei nicht so, ich bin doch nicht schwerhörig!" – wodurch laute Geräusche und Lärm als äußerst unangenehm empfunden werden. Die Altersschwerhörigkeit verschlechtert sich in aller Regel mit zunehmendem Alter; Ausmaß und zeitlicher Verlauf sind jedoch individuell verschieden und nicht vorhersehbar.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen sind bisher nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird eine Kombination verschiedener im Lebensverlauf auftretender körperlicher Veränderungen und äußerer Einflüsse.

Dazu gehören normale Alterungsvorgänge des Körpers wie Ablagerungen von Stoffwechselprodukten in Zellen oder Elastizitätsverluste bestimmter Gewebe. Wahrscheinlich spielt auch erbliche Veranlagung eine gewisse Rolle. Hinzu kommt eine lebenslange Anhäufung verschiedener das Gehör schädigender Ereignisse, wie dauerhafte Lärmbelästigung, Genussmittel, Umweltgifte und Mittelohrerkrankungen.

Diagnosesicherung

Der Arzt beurteilt das Ausmaß des eingeschränkten Hörens von Tönen und Sprache anhand verschiedener Hörtests wie dem Tonaudiogramm und dem Sprachaudiogramm.

Behandlung

Medikamentöse oder operative Behandlungsmaßnahmen gibt es nicht. In vielen Fällen ist die Versorgung mit einem Hörgerät die einzig sinnvolle Behandlung.

Hörgerät-Typen

Es gibt verschiedene Typen von Hörgeräten, die alle nach demselben Prinzip funktionieren: Mikrofone empfangen den Schall aus der Umgebung, verstärken ihn pegel- und frequenzabhängig und leiten ihn über einen Lautsprecher an das Ohr weiter.

Digitale Hörgeräte verfügen oft über eine Vielzahl von Funktionen, die z. B. das Telefonieren erleichtern oder die Eigengeräusche des Körpers wie Kauen, Schlucken oder Sprechen ausfiltern. Teilweise haben sie spezielle Sprach- und Situationserkennungsprogramme, unterdrücken Rückkopplungen und Mikrofonrauschen, sind fernbedienbar und kompatibel für unterschiedlichstes Zubehör. Den nötigen Strom erhält das Hörgerät über Knopfzellen; sie halten je nach Verbrauch 1–4 Wochen.

HdO-Geräte. Bei Hinter-dem-Ohr-Geräten (HdO-Geräten) sitzt das eigentliche Hörgerät hinter dem Ohr und ist über einen Schallschlauch mit einem Ohrpassstück (Otoplastik) verbunden, das in das Ohr eingesetzt wird. Sie bieten die vielfältigsten Möglichkeiten, Hörschäden zu versorgen. Moderne Varianten besitzen meist zwei Mikrofone und können so die Sprache von vorne oder andere gewünschte Geräuschquellen gezielt verstärken und nicht erwünschte Geräusche, wie z. B. die Musik von hinten, reduzieren.

Bei HdO-Geräten liegen die Mikrofone hinter dem Ohr und der Lautsprecher nahe des Trommelfells – also weit auseinander. Dieser große Abstand ermöglicht eine hohe Verstärkung, mit der sich auch eine starke Schwerhörigkeit korrigieren lässt. Sitzen Mikrofon und Lautsprecher zu nahe beieinander, gibt es schnell störende Rückkopplungen. Ein weiterer bauartbedingter Vorteil ist, dass das Ohrpassstück nicht den kompletten Gehörgang ausfüllen muss. Ein durchgängiges Ohrpassstück reflektiert dagegen den vom Körper selbst erzeugten Schall und erzeugt so einen dumpfen Klang. Bei leichter Schwerhörigkeit kann bei HdO-Geräten z. B. durch eine Bohrung ein Stück frei bleiben, sodass ein Druckausgleich möglich wird und ein natürlicheres Hörgefühl entsteht. HdO-Geräte lassen sich zudem einfach reinigen und sind sehr robust – sie können z. B. schon kurz nach dem Duschen ins Ohr eingesetzt werden, auch wenn der Gehörgang noch nicht ganz trocken ist. HdO-Geräte erfordern etwas Übung beim Telefonieren, da das Mikrofon hinter dem Ohr sitzt. Heute werden vielfach so genannte Mini-HdO-Geräte mit einer extrem kleinen Schlauchhalterung und einem offenen Ohrpassstück eingesetzt.

IO-Geräte. Im-Ohr-Geräte (IO-Geräte) sitzen vollständig im Ohr und lassen sich leicht einsetzen bzw. wieder herausnehmen. Die nötige Elektronik befindet sich in einem individuell angepassten Gehäuse, das in den Gehörgang gesteckt wird. Da das Mikrofon im Gehörgang sitzt, nutzen IO-Geräte die Form der Ohrmuschel für ein natürliches Richtungshören. IO-Geräte sind sehr unauffällig und eignen sich gut für Brillenträger, da der Platz hinter den Ohren frei bleibt. Ihre geringe Größe bringt jedoch auch Nachteile mit sich: In den kleinen Gehäusen hat nur eine kleine Batterie Platz, sodass auf manche Funktionen verzichtet werden muss. Außerdem sind die winzigen Mikrofon-, Hörer- und Belüftungsöffnungen schwierig zu reinigen und reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit.

Die IO-Geräte werden zunehmend kleiner und weniger sichtbar: Während das "In-The-Ear"-Gerät noch die gesamte Ohrmuschel ausfüllt, schließt das "In-The-Canal"-Gerät mit dem Gehörgang ab und ist kaum noch zu sehen. Noch winziger ist das "Complete-In-Canal"-Gerät. Das "Invisible-In-The-Canal"-Gerät sitzt schließlich so tief im Bereich der zweiten Gehörgangskrümmung, dass es von außen überhaupt nicht mehr wahrnehmbar ist. Aber: die Hörverbesserung der IO-Geräte reicht nicht an die von HdO- und Mini-HdO-Geräten mit mehreren Mikrofonen heran. Auch können die kleinsten Invisible-In-The-Canal-Geräte nur noch vom Hörgeräteakustiker oder Arzt herausgenommen werden – dafür darf man mit ihnen auch duschen.

Anpassung des Hörgeräts

Die Auswahl des geeigneten Geräts richtet sich nach dem individuellen Hörbefund und den Wünschen des Patienten. Die Verordnung des Hörgeräts erfolgt durch den HNO-Arzt, anschließend übernimmt in der Regel ein Hörgeräteakustiker seine Anpassung. Die Anpassung und das Training mit dem neuen Hörgerät dauern etwa 3–4 Monate.

Ton- und Sprachaudiogramm liefern lediglich eine Empfehlung für die Auswahl des Hörgerätetyps und dessen Einstellung. So lassen sich grobe Richtwerte für die Anpassung von Tonhöhen (Frequenzen) und Lautstärke (Dynamik) ableiten, die dann an das Hörempfinden des Betroffenen angepasst werden. Dazu spielt der Arzt oder Hörgeräteakustiker dem Hörgeräteträger Klangbeispiele aus dem alltäglichen Leben vor und lässt ihn diese bewerten, bis er die Lautstärke, Klangfarbe, Sprachverständlichkeit und Störgeräusche als angenehm empfindet.

Für Kinder eignen sich ausschließlich HdO-Geräte, da ihre Ohrmuschel noch wächst und die Ohrpassstücke leichter "mitwachsen".

Hörgerät-Finanzierung

In der Bundesrepublik beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen mit einem Festbetrag an den Kosten eines Hörgeräts. Für diesen Festbetrag sind jedoch – wenn überhaupt – nur sehr einfache Geräte erhältlich. Nur bei zwingenden medizinischen Indikationen übernehmen die Kassen höhere Kosten.

Bei Berufstätigen können öffentliche Einrichtungen wie das Arbeitsamt, die Rentenversicherungsanstalt oder Landeswohlfahrtsverbände das Hörgerät als Arbeitshilfsmittel oder zur Teilnahme am Berufsleben bezuschussen.

Zusätzlich zum Festzuschuss bezahlt die Kasse dem Hörgeräteakustiker, der das Hörgerät anpasst, sechs Jahre lang eine Reparaturpauschale, in der die Anpassung, Beratung und kleinere Instandhaltungsarbeiten enthalten sind.

Knochenleitungshörgeräte und Implantate

Wenn das äußere Ohr bzw. der Gehörgang fehlgebildet ist, kann das Hörgerät oft nicht über ein Ohrpassstück befestigt werden. Sofern vor allem die Luftleitung gestört ist, helfen Hörgeräte, welche die Knochenleitung verstärken. Diese Hörhilfen geben den Schall in Form von Schwingungen über den knöchernen Warzenfortsatz an das Innenohr weiter. Diese Geräte heißen Knochenleitungshörgeräte (KL-Geräte).

Häufig werden Knochenleitungshörgeräte an Hörbrillen befestigt – einer Kombination aus Seh- und Hörhilfe, bei der die Hörgeräte an den Brillenbügel montiert sind. Vom Brillenbügel aus übertragen sie Vibrationen auf den Warzenfortsatz hinter dem Ohr und versetzen so über den Schädelknochen das gesamte Mittel- und Innenohr in Schwingungen. Knochenleitungshörgeräte können auch mit einer Titanschraube direkt am Knochen befestigt werden.

Implantierbare Hörgeräte. Zeigen gewöhnliche Hörgeräte keinen Erfolg, können Knochenleitungshörgeräte auch implantiert werden. Implantierbare Hörgeräte (Mittelohrimplantat) wie die Vibrant Soundbridge® bestehen aus einem inneren Teil, der in den Warzenfortsatz eingebaut wird, und einem äußeren Teil, der außen hinter dem Ohr getragen wird. Das Mikrofon und die Elektronik sitzen im äußeren Teil. Dieser wird durch einen unter die Haut implantierten Magneten gehalten oder kann auf eine Titanverankerung gesteckt werden. Der innere Teil empfängt das Signal direkt unter der Haut und leitet es über ein Kabel an den Signalgeber weiter, der die Gehörknöchelchenkette direkt bewegt (z. B. am Amboss ansetzend).

Cochlea-Implantat

Ein Sonderfall unter den Hörhilfen ist das Cochlea-Implantat (CI-System), das sogar Tauben eine auditive Wahrnehmung ermöglicht, sofern ihr Hörnerv funktioniert. Es umgeht das geschädigte Innenohr und leitet die Höreindrücke als elektrische Impulse direkt an den Hörnerv weiter.

Aufbau und Prinzip. Das Cochlea-Implantat besteht aus einem inneren und einem äußeren Teil.

  • Während einer Operation unter Vollnarkose implantiert der Arzt eine Empfangsspule und einen Magneten in eine ausgefräste Mulde im Schädelknochen und führt von dort aus Elektroden in die Gehörschnecke ein.
  • Der äußere Teil besteht aus einem Mikrofon, einem Signalprozessor, der die Sprache in elektrische Impulse umwandelt und einer Sendespule. Er wird bei modernen Cochlea-Implantaten wie ein normales Hörgerät hinter dem Ohr getragen und durch den Magneten gehalten. Manche Cochlea-Implantate verfügen über ein separates Gehäuse für den Signalprozessor, das am Gürtel getragen wird.

Erfolgschancen. Die mit einem Cochlea-Implantat übermittelten Höreindrücke unterscheiden sich stark von den Sinneseindrücken eines normal Hörenden. In Rehabilitationszentren wird deshalb geübt Geräusche und Sprache wiederzuerkennen. Nach einigen Monaten Training gelingt das meist so weit, dass Sprache wieder verstanden wird.

Manche Patienten erhalten nur auf einer Seite ein Implantat, manche auch beidseits. Mit zwei Implantaten gelingt das Sprachverständnis in unruhigen Situationen und das Richtungshören in der Regel besser. Der Erfolg hängt auch von der Ertaubungsdauer, der Sprachkompetenz, dem Zustand der Hörnerven und von der Motivation zum Trainieren und Erlernen der ungewohnten Höreindrücke, bzw. für Sprachlaute überhaupt, ab. Besonders erfolgreich verläuft die Behandlung daher bei Erwachsenen, die erst kürzlich ertaubt sind und zeitnah mit Cochlea-Implantaten versorgt werden. Gehörlos geborene Erwachsene profitieren kaum von einer Implantatversorgung.

Versorgung von Kleinkindern. Dass taube Kleinkinder mit Cochlea-Implantaten versorgt werden sollen, wird von ebenfalls gehörlosen Eltern häufig angezweifelt. Der Erfolg ist am größten, wenn sie in den ersten zwei Lebensjahren implantiert werden. Aus medizinischer Sicht ist dies das Beste. Sind die Eltern selbst gehörlos, fürchten sie oft, dass die Gebärdensprache und ihre eigene Gehörlosenkultur durch die Konzentration auf die Lautsprache an den Rand gedrängt werden. Als Kompromiss wachsen diese Kinder oft "bilingual" auf, d. h. sie erlernen zuerst die Gebärdensprache und später die Lautsprache. Entsprechend erhalten sie auch erst später Cochlea-Implantate.

Komplikationen bei Cochlea-Implantaten. Träger von Cochlea-Implantaten sind besonders gefährdet, an einer Mittelohrentzündung zu erkranken, aus der sich eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung entwickeln kann. Um dieser vorzubeugen, empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) Cochlea-Implantat-Trägern Impfungen gegen die häufigsten Erreger der Mittelohr- und Hirnhautentzündung, also Haemophilus influenzae Typ B, Streptokokken, Pneumokokken sowie Meningokokken.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention

Musizieren. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass lebenslanges Musizieren dem altersbedingten Gehörverlust vorbeugt. Denn auf welche Weise ein Leben lang Geräusche aufgenommen werden, wirkt sich stark auf das Nervensystem aus. Musikalische Menschen haben eine bessere Hör- und Sprachfähigkeit und können in lauter Umgebungen besser kommunizieren. Wer schon im Kindesalter musiziert, ist im Vorteil. Doch auch im hohen Lebensalter ist es nicht zu spät, damit zu beginnen. Ein intensives Musiktraining kann auch hier noch das Hör- und Sprachvermögen verbessern.

Weiterführende Informationen

  • www.schwerhoerigen-netz.de – Deutscher Schwerhörigenbund e. V., Berlin: Enthält einen guten und sehr ausführlichen Ratgeber (auch als CD bestellbar) sowie Adressen von Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland.
  • www.dcig.de – Deutsche Cochlea Implant Gesellschaft e. V., Illertissen: Mit Adressen von Selbsthilfegruppen und spezialisierten Kliniken. Weitere Informationen zur Verbandszeitschrift "Schnecke" finden sich unter www.schnecke-ci.de.

Cholesteatom

Cholesteatom (Perlgeschwulst, chronische Knocheneiterung, Otitis media epitympanalis): Chronische Entzündung im Mittelohr mit fortschreitender Zerstörung der Gehörknöchelchenkette.

Durch den entzündlichen Dauerreiz wuchern äußere Hautschichten des Trommelfells oder des Gehörgangs in das Mittelohr hinein, verhornen und schädigen die Schleimhaut und vermindern die Belüftung der Paukenhöhle sowie den Abfluss von Sekret. Schließlich werden die Knochen rund um das Ohr allmählich zerstört – daher kommt auch der Name chronische Knocheneiterung - es droht die Ertaubung. Aufgrund der ernsten Komplikationen muss ein Cholesteatom immer operativ entfernt werden.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Druck auf dem Ohr
  • Wiederholt oder dauerhaft auftretender Ohrenausfluss
  • Zunehmende Schwerhörigkeit
  • Immer wieder auftretende Ohrenschmerzen
  • Eventuell Kopfschmerzen oder Schwindel
  • Lähmungserscheinungen im Gesicht.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen bei

  • oben genannten Leitbeschwerden.

Sofort, wenn

  • starke Kopfschmerzen, ein steifer Nacken und/oder starke Müdigkeit hinzukommen (Gefahr einer Hirnhautentzündung)
  • Lähmungserscheinungen im Gesicht auftreten.

Die Erkrankung

Klinik

Ein Cholesteatom ohne bakterielle Besiedelung (trockene Form) äußert sich weder durch Schmerzen noch durch Ohrenfluss. Viel häufiger als die trockene Form ist jedoch die nässende Form, bei der das Cholesteatom bakteriell besiedelt ist. Die bakterielle Besiedelung führt zu eitrigem, übel riechenden Ohrfluss und Ohrenschmerzen. Zu Beginn der Erkrankung bemerkt der Betroffene oft jedoch nur einen Druck auf dem Ohr.

Verlauf

Im weiteren Verlauf kommt es zu einer zunehmenden Hörminderung, seltener auch zu einer Gesichtslähmung durch Mitbeteiligung des Gesichtsnervs, der teilweise durch das Mittelohr läuft. Beim Durchbruch ins Innenohr sind auch Schwindel und Gleichgewichtsstörungen möglich – alle genannten Beschwerden sind bei der nässenden Form häufiger.

Komplikationen

Wird der Knochen der Schädelbasis angegriffen, besteht die Gefahr, dass die Erkrankung auf das Gehirn übergreift oder zur Hirnhautentzündung führt.

Diagnosesicherung

Zunächst führt der Arzt eine Ohrspiegelung oder -mikroskopie durch, um Ausdehnung und Lage des Trommelfelldefekts sowie die mögliche Beteiligung des Mittelohrs zu beurteilen. Zur Feststellung der Hörbeeinträchtigung ist ein Tonaudiogramm unerlässlich. Um die Ausdehnung des Cholesteatoms zu erkennen setzt der Arzt auch hochauflösende bildgebende Verfahren wie die Spiral-Computertomografie oder spezielle MRT-Aufnahmen ein.

Behandlung

Ein Cholesteatom muss wegen der möglichen Komplikationen unbedingt operiert werden. Während des Eingriffs räumt der Arzt in der Regel nicht nur das Cholesteatom aus, sondern verschließt zugleich das Trommelfell mit bindegewebiger Muskelhaut oder Knorpelhaut aus der Ohrregion. Ist die Gehörknöchelchenkette unterbrochen, baut er diese anhand einer Tympanoplastik wieder auf.

Um die Entzündung einzudämmen, die geplante Operation zu erleichtern und das Ohr vor Rückfällen mit weiteren Infektionen zu schützen, bekommt der Patient in den meisten Fällen vor und einige Zeit nach der OP Antibiotika.

Prognose

Bei rechtzeitiger Entfernung eines Cholesteatoms bleibt das Gehör meistens erhalten oder kann durch operative Maßnahmen sogar regenerieren.

Ihr Apotheker empfiehlt

Nach Ohren-OP. Nach einer Ohrenoperation müssen Sie eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen beachten: Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wie lange kein Wasser in den Gehörgang eindringen darf. Hat er die Ohrtamponade bereits entfernt, können Sie vor dem Duschen ein großes Stück Watte mit Bepanthen-Salbe einreiben und unter einer Duschhaube vor dem Eingang des Gehörganges platzieren. Achtung, die Watte darf nicht in den Gehörgang geschoben werden. Ob Sie schwimmen dürfen, klären Sie bitte mit Ihrem Arzt.

Verzichten Sie für eine optimale Wundheilung auf Nikotin. Naseschnäuzen ist 4 Wochen verboten. Müssen Sie niesen, öffnen Sie dabei unbedingt den Mund. Vermeiden Sie, sich beim Schlafen auf das operierte Ohr zu legen.

Die Empfehlungen bezüglich Flugreisen sind unterschiedlich. Die ersten 4 Wochen nach der Operation sollten Sie Flugreisen jedoch besser vermeiden. Auf Sport und Saunagänge verzichten Sie sicherheitshalber 6 Wochen lang.

Wichtig: Acetylsalicylsäure enthaltende Schmerzmedikamente erhöhen die Gefahr des Nachblutens – sie sind deshalb die ersten 10 Tage nach der Operation verboten.

Chronische Mittelohrentzündung

Chronische Mittelohrentzündung (Otitis media chronica mesotympanalis): Nicht heilendes Loch im Trommelfell verbunden mit einer dauerhaften oder immer wiederkehrenden Mittelohrentzündung.

Die Erkrankung tritt heute ziemlich selten auf, weil sich die Behandlung von Kleinkindern mit wiederkehrenden Atemwegsinfekten in den letzten 30 Jahren deutlich verbessert hat. Behandelt wird die chronische Mittelohrentzündung mit einer Operation.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Wiederholt oder dauerhaft auftretender Ausfluss von schleimig-eitrigem Sekret
  • Hörminderung
  • Meist keine Schmerzen.

Wann zum Arzt

Am gleichen Tag, wenn

  • Sekret aus dem Gehörgang läuft.
  • Ohrenschmerzen auftreten.

In den nächsten Tagen, bei

  • zunehmender Hörminderung.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung und Formen

Bei der chronischen Mittelohrentzündung schmilzt mit oder ohne Entzündung ein Teil des Trommelfells weg und es entsteht ein Loch.

Wenn sich keine Entzündungszeichen wie Schmerzen, Ohrenausfluss und geschwollene Schleimhaut nachweisen lassen, handelt es sich um eine trockene Form der chronischen Mittelohrentzündung. Bei einer nässenden oder feuchten Form fließt Sekret aus, verursacht durch in das Mittelohr eingedrungene Bakterien. Bakterielle Infektionen heilen mitunter rasch wieder ab, weshalb im Krankheitsverlauf trockene und feuchte Stadien abwechseln können. Manchmal sind die Betroffenen zwischendurch jahrelang beschwerdefrei.

Risikofaktoren

Die Erkrankung tritt in aller Regel nur dann auf, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammentreffen: Dazu gehören eine erhöhte Anfälligkeit der Mittelohrschleimhaut, häufige (unsachgemäß behandelte) akute Mittelohrentzündungen im Kindesalter sowie eine allgemeine Abwehrschwäche.

Komplikationen

Bei knapp der Hälfte der chronischen Mittelohrentzündungen besteht gleichzeitig ein Cholesteatom, also eine chronisch eitrige Entzündung des Mittelohrs mit Knochenzerstörung.

Mögliche Folge einer nicht adäquat behandelten chronischen Mittelohrentzündung ist eine zunehmende Schwerhörigkeit.

Diagnosesicherung

Mit Hilfe eines Otoskops oder eines Ohrmikroskops begutachtet der Arzt zunächst das Trommelfell. Charakteristischerweise findet sich darin ein zentral gelegenes Loch. Zur Feststellung der Hörminderung fertigt er ein Tonaudiogramm an.

Behandlung

Eine chronische Mittelohrentzündung lässt sich mit Medikamenten nicht kurieren. Stattdessen verschließt der Arzt bei einer Myringoplastik unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose das Loch im Trommelfell mit körpereigenem Material aus der Ohrregion (Bindegewebe oder Knorpelhaut). Danach wird das Ohr für etwa eine Woche tamponiert.

Prognose

Bei ausreichender Belüftung über die Ohrtrompete heilt eine chronische Mittelohrentzündung nach einer Operation in der Regel gut aus.

Ihr Apotheker empfiehlt

Ohr frei halten.Stopfen Sie bei einer chronischen Mittelohrentzündung keine Watte ins Ohr! Watte begünstigt ein feucht-warmes Klima, in dem sich Krankheitserreger gerne vermehren, und kann dadurch die Entzündung verstärken.

Nach einer Ohren-OP. Nach einer Ohrenoperation müssen Sie eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen beachten: Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wie lange kein Wasser in den Gehörgang eindringen darf. Hat er die Ohrtamponade bereits entfernt, können Sie vor dem Duschen ein großes Stück Watte mit Bepanthen-Salbe bestreichen und unter einer Duschhaube vor dem Eingang des Gehörganges platzieren. Achtung, die Watte darf nicht in den Gehörgang geschoben werden. Ob Sie schwimmen dürfen, klären Sie bitte mit Ihrem Arzt.

Verzichten Sie für eine optimale Wundheilung auf Nikotin. Naseschnäuzen ist 4 Wochen lang verboten, müssen Sie niesen, öffnen Sie dabei unbedingt den Mund. Vermeiden Sie, sich beim Schlafen auf das operierte Ohr zu legen.

Die Empfehlungen bezüglich Flugreisen sind unterschiedlich. Die ersten 4 Wochen nach der Operation sollten Sie Flugreisen jedoch besser vermeiden. Auf Sport und Saunagänge verzichten Sie sicherheitshalber 6 Wochen lang.

Hinweis: Acetylsalicylsäure enthaltende Schmerzmedikamente erhöhen die Gefahr des Nachblutens – sie sind deshalb die ersten 10 Tage nach der Operation verboten.

Gehörgangsentzündung

Gehörgangsentzündung (Otitis externa acuta): Zum Teil sehr schmerzhafte, gelegentlich aber auch nur juckende Entzündung der Haut im äußeren Gehörgang. Meistens handelt es sich um eine kurz andauernde harmlose Erkrankung, an der Bakterien (z. B. Pseudomonas aeruginosa) oder seltener Pilze beteiligt sind.

Verbreitet tritt das Krankheitsbild im Sommer nach dem Besuch von bakteriell verunreinigten Badeseen oder Schwimmbädern auf – daher kommt auch der Name Badeotitis (Schwimmerohr).

Symptome und Leitbeschwerden

  • Heftiger Juckreiz im äußeren Gehörgang
  • Schmerzen, die beim Druck auf den Knorpel vorn am Ohr oder Zug am Ohrläppchen zunehmen
  • Schwellung, Rötung und Krustenbildung im äußeren Gehörgang
  • Eventuell Ohrenausfluss und Schwerhörigkeit.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag bei

  • oben genannten Leitbeschwerden.

Die Erkrankung

Ursachen und Risikofaktoren

Gehörgangsentzündungen entstehen durch das Eindringen von Erregern in die Haut. Besonders anfällig für solch ein Eindringen ist die Gehörgangshaut, wenn sie durch Wasser aufgeweicht ist. Feuchtwarmes Klima fördert diesen Prozess zusätzlich, weshalb Gehörgangsentzündungen vor allem im Sommer und nach dem Schwimmen oder Tauchen auftreten.

Weitere Ursachen sind Reizung und Verletzung der Haut durch eine unsachgemäße Ohrreinigung mit Wattestäbchen, Fremdkörper im Ohr, Kopfhörer mit Ohrpassstück, den Gebrauch von Lärmschutzstöpseln sowie Seifen und Shampoos. Eine erhöhte Anfälligkeit haben Menschen, die zu Hauterkrankungen neigen sowie Menschen mit Diabetes mellitus oder geschwächtem Immunsystem. Mitunter ist eine Gehörgangsentzündung auch das Begleitsymptom einer akuten oder chronischen Mittelohrentzündung oder sie entsteht durch die Ausweitung einer zu spät oder nicht ausreichend behandelten Ohrmuschelentzündung.

Klinik

Haben sich durch Aufweichen oder Verletzungen Keime angesiedelt, schwillt die Gehörgangshaut häufig an und es bilden sich Krusten sowie ein schmieriges, manchmal übel riechendes Sekret. Ausgeprägte Schwellungen und starker Ohrenausfluss (Ohrenlaufen) stören die Schallleitung, wodurch der Patient auf dem betroffenen Ohr nicht mehr richtig hört.

Komplikationen

Die Entzündung kann sich nach außen wie nach innen ausbreiten und eine Entzündung der Ohrmuschel oder eine Trommelfellentzündung (Myringitis) auslösen.

Diagnosesicherung

Mit Hilfe des Otoskops, einem Ohrentrichter mit Lupe und Lampe, untersucht der Arzt den äußeren Gehörgang und befreit ihn anschließend mit einem sterilen Sauger von Sekret. Bei Bedarf macht er zusätzlich einen Abstrich zum Nachweis des Erregers.

Behandlung

Zunächst reinigt der Arzt den Gehörgang gründlich, wenn nötig, spült er ihn auch aus. Bei starken Schwellungen legt er einen Mullstreifen mit Salbe in den Gehörgang ein. Falls sich ein Abszess gebildet hat, schneidet der Arzt diesen vorsichtig auf und entleert ihn, um die Abheilung zu begünstigen.

Für die Folgebehandlung verschreibt der Arzt Ohrentropfen oder -salben mit einem Antibiotikum oder einer Kombination aus Antibiotikum plus Kortikoid. In schweren Fällen muss die Antibiotikabehandlung innerlich erfolgen.

Falls Pilze die Auslöser sind, wird nach der Reinigung des Gehörgangs ein Mullstreifen mit antimykotischer Salbe oder Creme in den Gehörgang eingebracht.

Prognose

Frühzeitig erkannte und sachgerecht behandelte Gehörgangsentzündungen heilen in der Regel ohne Folgen aus.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Wärme & Kälte.Den Juckreiz lindern kühlende, z. B. in Alkohol getränkte, Umschläge. Nicht mit den Fingern im Ohr kratzen! Das verstärkt die Entzündung.

Bei Schmerzen hilft dagegen Wärme, z. B. mittels Rotlichtlampe (zehn Minuten pro Anwendung). Achten Sie auf einen Mindestabstand von 50 Zentimetern. Für manche Patienten ist es auch angenehm, ein Zwiebelsäckchen oder einen verwendeten, noch warmen Kamillenteebeutel auf das betroffene Ohr zu legen. Gegen starke Schmerzen können Sie ein Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen.

Komplementärmedizin

Homöopathie. Aus Sicht der Homöopathie lässt sich die Neigung zu Gehörgangsentzündungen durch eine individuell abgestimmte Konstitutionsbehandlung beeinflussen.

Prävention

Hygiene.Achten Sie unbedingt auf eine sorgfältige Hygiene des Gehöreingangs, um erneute Entzündungen zu vermeiden. Reinigen Sie die Ohrmuschel vorsichtig mit einem weichen Tuch und warmen Wasser und schützen Sie den Gehörgang vor Seife und Shampoo. Wattestäbchen dürfen grundsätzlich nur in der Ohrmuschel und am Eingang des Gehörgangs angewendet werden, anderenfalls drohen Verletzungen der Gehörgangshaut und des Trommelfells. Übertreiben Sie die Hygiene nicht. Etwas Ohrenschmalz ist zum Schutz des Gehörgangs wichtig.

Ohren trocknen.Neigen Sie nach dem Baden oder Schwimmen den Kopf einen Moment zu jeder Seite, damit das Wasser aus dem Gehörgang läuft. Die Ohrmuschel und den Eingang des Gehörgangs können Sie vorsichtig mit einem Handtuch oder einem Papiertaschentuch trockentupfen. Am besten Sie tragen beim Baden oder Duschen eine Badehaube, um die Ohren vor Wasser zu schützen.

Wenn Sie vom Schwimmen im Sommer leicht Gehörgangsentzündungen bekommen, legen Sie vorher etwas mit Fettsalbe getränkte und dadurch Wasser abweisende Watte locker in den Gehörgang ein und nehmen Sie diese nach dem Schwimmen wieder heraus.

Hörsturz

Hörsturz: Plötzliche, in der Regel einseitige Innenohrschwerhörigkeit unterschiedlichen Schweregrads bis hin zur Ertaubung.

Die Hörfähigkeit erholt sich mit oder ohne Therapie wieder, oft aber nicht vollständig. Meistens besteht zumindest für eine gewisse Zeit als Folgeproblem ein Tinnitus. Der Hörsturz ist die häufigste Funktionsstörung des Innenohrs. Schätzungen zufolge erleidet in Deutschland etwa eine Viertelmillion Menschen pro Jahr einen Hörsturz, die meisten von ihnen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Typischerweise erleiden besonders aktive Menschen, die viel Verantwortung in der Familie oder im Beruf übernehmen, einen Hörsturz. Immer wieder wird deshalb behauptet, dass chronischer Stress eine (Mit-)Ursache von Hörstürzen ist. Statistisch bewiesen wurde das jedoch noch nicht.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Plötzlich auftretende Schwerhörigkeit
  • Tinnitus
  • Oft Schwindel
  • Druck im Ohr, "Wattegefühl" im Ohr, taube Haut in der Umgebung des Ohrs.

Wann zum Arzt

Innerhalb der ersten zwei Tage, wenn

  • der Verdacht auf Hörsturz vorliegt. Ein starker Hinweis auf einen Hörsturz ist, wenn man mit dem betroffenen Ohr nicht mehr oder nur noch unter Mühen telefonieren kann.

Hinweis: Ein Hörsturz ist ein so genannter Eilfall, aber kein Notfall. Ein Hörsturz sollte innerhalb von 24–48 Stunden von einem Arzt diagnostiziert und gegebenenfalls behandelt werden – am besten ambulant in einer HNO-Klinik oder bei einem erfahrenen HNO-Arzt. Danach sinken die Heilungschancen.

Die Erkrankung

Im Gegensatz zur allmählichen Entwicklung der Altersschwerhörigkeit ist der Hörsturz ein plötzliches Ereignis, bei dem die Hörverschlechterung oder sogar Ertaubung binnen Minuten bis Stunden eintritt. Fast immer ist nur ein Ohr betroffen. Die Hörverschlechterung betrifft häufiger die hohen Töne (Hochtonverlust) als die niedrigen.

Ursachen und Risikofaktoren

Als Ursache für einen Hörsturz werden Durchblutungsstörungen im Innenohr angenommen, bedingt durch eine Verengung der Blutgefäße und/oder eine geminderte Fließfähigkeit des Bluts.

Dies würde auch erklären, warum die Heilungschancen bei älteren Menschen oder Diabetikern in der Regel schlechter sind, da diese Personengruppen häufig unter Durchblutungsstörungen leiden. Auffällig ist, dass chronischer Stress das Auftreten eines Hörsturzes fördert. Entsprechend trifft der Hörsturz oft besonders aktive Menschen, die dazu neigen, sich und ihren Körper bis an die Grenzen zu fordern. Der konkrete psychosomatische Zusammenhang liegt aber noch im Dunkeln.

Klinik

Dem eigentlichen Hörverlust gehen oft Hörschwankungen und Halleffekte sowie Druck- oder Wattegefühl im Ohr voraus. Manche Betroffene berichten, dass "sich alles irgendwie anders anhört". Ist das Gleichgewichtsorgan mitbetroffen, besteht auch Drehschwindel. Fast immer treten beim Hörsturz Ohrgeräusche (Tinnitus) auf. Untypisch sind dagegen Ohrenschmerzen. Sie sprechen gegen das Vorliegen eines Hörsturzes.

Folgen für das Innenohr

Das gesunde Innenohr erträgt eine große "Reizamplitude" – extrem große Schalldrücke (Lärm, Musikfestival, Schussgeräusche) machen ihm ebenso wenig aus wie sehr geringe Schalldrücke (also weitestgehende Stille).

Das durch den Hörsturz geschädigte Innenohr erträgt nur noch eine geringe Reizamplitude:

  • extreme Beschallung (Lärm, Musikfestival, Schussgeräusche) führt zu vorübergehender Schwerhörigkeit, Tinnitus und evtl. sogar zu Schmerzen und einer Lärmphobie (Angst vor Lärm)
  • sehr geringe Schalldrücke (also weitestgehende Stille) sind aber auch schlecht, weil die "unterbeschäftigten" Innenohrsinneszellen dann selbst "Musik" machen, aber die geschädigten Filter im Innenohr diese nicht mehr ausfiltern können. Diese selbstgemachte "Musik" wird als Tinnitus erlebt.

Verlauf

Die Hörfunktion des betroffenen Ohrs erholt sich fast immer innerhalb von maximal 14 Tagen, aber in 30-40 % der Fälle entsteht ein bleibender Hörschaden. Als ungebetener Dauergast setzt sich bei jedem 2. Betroffenen ein Tinnitus fest, der die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann. Dieser ist zunächst sehr störend, klingt aber häufig im Lauf mehrerer Jahre ab oder verschwindet ganz.

Etwa 30 % der Patienten erleiden Rückfälle. Diese haben eine wesentlich schlechtere Prognose, d. h., es bleiben dann in der Regel dauernde Hörschäden bestehen.

Diagnosesicherung

Die Untersuchung beginnt mit der Inspektion des Gehörgangs mit Hilfe eines Otoskops oder Ohrmikroskops, um einen Ohrenschmalzpfropf auszuschließen. Anschließend bestimmt der Arzt den Hörverlust mit einem Tonaudiogramm. Den Hörtest wiederholt der Arzt nach 8 und 14 Tagen, um die Erholung der Hörfunktion zu kontrollieren und zu dokumentieren.

Behandlung

Bei 90 % der Patienten vermindert sich der Hörverlust spontan innerhalb von wenigen Stunden bis maximal 14 Tagen. Diese hohe Spontanbesserungs- bzw. -heilungsrate macht die evidenzbasierte (beweisgesicherte) Therapieentscheidung schwierig.

Pharmakotherapie

In der gültigen Behandlungsleitlinie werden vier verschiedene Behandlungsverfahren diskutiert: durchblutungsfördernde Medikamente, Anti-Virenmittel, die hyperbare Sauerstofftherapie sowie Kortison. Einzige Therapie, von der einigermaßen sicher ist, dass sie wirkt, ist die Behandlung mit Kortison.

Kortison. Bei der in den Leitlinien empfohlenen hochdosierten Kortisontherapie bekommt der Patient 3 Tage lang 250 mg Prednisolon über Tabletten verabreicht. Danach wird die Dosis rasch reduziert. Von der früher üblichen Therapie mit niedriger Dosierung (60 mg Prednisolon) rät die Leitlinie ab, weil sie wenig bis gar nichts hilft. Die hochdosierte Kortisontherapie verstärkt leider bei vielen Betroffenen die schon bestehende innere Unruhe. Sie kann nachts manchmal zur vollständigen Schlaflosigkeit führen.

Als Alternative kann der Arzt das Kortison auch lokal verabreichen. Bei dieser sogenannten intratympanalen Injektion spritzt er Kortison durch das vorher betäubte Trommelfell in das Innenohr. Das fühlt sich kalt an, ist aber nicht schmerzhaft. Vorteil sind die geringen Nebenwirkungen, weil das Kortison sofort am Ort des Geschehens ist und deshalb nur in einem Bruchteil der Menge verabreicht wird. Die intratympanale Kortisontherapie wird von den Leitlinien empfohlen, wenn die primäre, systemische Kortisongabe keinen Nutzen gezeigt hat, wenn der Patient unter deren Nebenwirkungen (siehe oben) leidet oder Kontraindikationen gegen die hochdosierte Kortisongabe bestehen.

Durchblutungsfördernde Mittel. Sogenannte Vasodilatatoren wie Naftidrofuryl, Alprostadil, Carbogen oder auch Gingko biloba werden von der Mehrzahl der HNO-Ärzte abgelehnt, zudem ihre angebliche Wirkung teilweise mit Hilfe manipulierter Studien "bewiesen" wurde. Auch von den früher üblichen und teilweise immer noch eingesetzten Infusionen mit durchblutungsfördernder Hydroxyäthylstärke (HAES®) raten die Autoren der Leitlinien ab, da der Nutzen nicht gesichert ist und unter anderem monate- bis lebenslanger Juckreiz als Langzeitnebenwirkung droht.

Antivirale Therapie. Die Wirksamkeit antiviraler Therapiestrategien konnte man bisher nicht nachweisen.

Hyperbare Oxygenierung. Auch die Wirksamkeit der hyperbaren Sauerstofftherapie ist unklar, weshalb dieses Verfahren in den Leitlinien nicht empfohlen wird.

Prognose

Bei 60-75 % der Betroffenen stellt sich die Hörfähigkeit spontan oder mit Hilfe therapeutischer Bemühungen wieder her. Hörschäden bleiben vor allem bei starker Hörminderung sowie bei zusätzlicher Drehschwindelsymptomatik zurück.

Etwa 30 % der Patienten erleiden Rückfälle. Rückfälle haben eine wesentlich schlechtere Prognose, d. h., es bleiben dann in der Regel dauernde Hörschäden zurück.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Wie ein Hörsturz genau funktioniert, hat die Wissenschaft noch nicht verstanden, aber fast immer sind die Betroffenen – bildhaft gesprochen – mit Vollgas durchs Leben gefahren und auf einmal hat der für sie empfindlichste Teil des Gehirns seinen Dienst verweigert. Entscheidend ist, damit richtig umzugehen, und das heißt konkret die Wiederherstellung der Innenohrfunktion zu unterstützen, die Ausbildung eines Tinnitus zu unterbinden und Rückfälle zu verhindern.

Wiederherstellen der Hörfunktion. Auch wenn Sie sich in den ersten Tagen nach dem Hörsturz nach unbedingter Ruhe sehnen, ist Stille eher ungünstig für das Ohr, denn sie fokussiert die Aufmerksamkeit des Gehirns auf die selbsterzeugten Signale (das Grundrauschen) und fördert somit einen späteren Tinnitus.

Umgang mit Lärm. Auf der anderen Seite sollten Sie aber Lärmbelästigungen strikt meiden. Dies ist dann ein Problem, wenn Sie z. B. Kleinkinder zu versorgen haben, die auf dem Wickeltisch schreiend die Lärmspitzen eines Presslufthammers erreichen. Seien Sie hier konsequent und sorgen Sie für eine Aushilfe. Ersatzweise schaffen Lärmstöpsel, die es in jeder Apotheke gibt, vorübergehende Abhilfe. Benutzen Sie zum Telefonieren das gesunde Ohr oder ein Headset mit Kopfhörern, womit Sie eine einseitige Belastung des kranken Ohrs ebenfalls vermeiden. Und wenn es ansonsten ruhig ist, z. B. in der häuslichen Umgebung, ist leise Musik eine gute Sache, wobei man sich durchaus an persönlichen Vorlieben orientieren darf.

Tinnitus bekämpfen. Der Hörsturz ist eine trickreiche Krankheit – falsche Maßnahmen verschlimmern die Symptome, das heißt vor allem den Tinnitus. Aber wenn Sie die Sache von der richtigen Seite angehen, können Sie den Tinnitus bei den Hörnern packen und Woche für Woche weiter in den Hintergrund schieben. Da sowohl extrem hohe Schalldrücke als auch weitestgehende Stille schädlich sind, liegt die Lösung in der Mitte und der Meidung der Extreme: also temporärer Schallschutz bei hohem Lärm – und temporäre zusätzliche Schallquellen (üblicherweise Musik) bei übermäßiger Stille. Verlässt man die Mitte, verschlimmert sich der Tinnitus:

  • Bei zu großer Stille tritt das Grundrauschen der Hörsinneszellen in den Vordergrund. Das bedeutet, der Tinnitus wird schlimmer. Kritisch sind zumeist das Einschlafen und die nächtlichen Wachperioden.
  • Übergroßer, als unangenehm empfundener Schall – also Lärm – irritiert die Betroffenen und kann krank machen. Die Folgen von erwünschtem starkem Schall wie z.B. beim Konzert des Lieblings-Popstars sind geringer. Bricht der Lärm dann ab und tritt wieder Stille ein, kann der Tinnitus zu einem Dröhnen anschwellen. Kritisch sind etwa Besuche in einem vollen Restaurant mit lauter Hintergrundmusik oder der Aufenthalt auf Baustellen mit großem Baumaschinenlärm.

Deshalb gilt:

  • Bei normaler Geräuschkulisse (Fernsehen, Geselligkeit, normale Tagesgeräusche): Lassen Sie das Ohr offen– wenn es Sie zu sehr stört, ist Watte ins geschädigte Ohr die beste Erste Hilfe – es nimmt ca. 10 dB Schalldruck, das ist nicht zu viel
  • Reicht das nicht aus, sind moderne Arbeitsschutzstöpsel zu empfehlen, die das Ohr elastisch abdichten. Diese gibt es preiswert im Internet. Sie nehmen 20-30 dB Schalldruck, also recht viel. Oropax und ähnliche feste Schallstöpsel sind was fürs Museum, weil sie das Ohr nur zeitweise wirklich abdichten und ihre Wirkung deshalb stark schwankt.
  • Wenn es an angenehmen Umgebungsgeräuschen mangelt, machen Sie selber Geräusche, die sie mögen, etwa Hintergrundmusik und lassen Sie diese laufen. Auch ein leise laufender Fernseher im Nebenzimmer ist für manche besser als Stille. Nachts ist es definitiv besser mit geöffnetem Fenster zu schlafen, damit die Geräuschkulisse von außen Ihr geschädigtes Ohr "beschäftigt".
  • Finden Sie selbst heraus, welche Geräusche Sie besonders stressen und schützen Sie sich davor.
  • Wenn Sie einen Hörschaden haben, lassen Sie sich beraten, ob Ihnen ein Hörgerät hilft. Dieses nützt doppelt: es verstärkt leise Geräusche und Sprache und minimiert so ungünstige Stilleperioden und es regelt zugleich überschwelligen Lärm elektronisch herunter. In der Praxis berichten deshalb viele Betroffene, dass der Gebrauch des Hörgeräts ihren Tinnitus erträglicher gemacht hat.

Neu hören lernen. War Ihr Hörsturz ausgeprägt, verändern sich die Signale, die das betroffene Innenohr Richtung Gehirn sendet, auf Dauer. Das können Sie leicht überprüfen, indem Sie den Telefonhörer während eines Telefonats abwechselnd an das gesunde und an das geschädigte Ohr halten – Sie werden merken, dass sich die Stimme am anderen Ende der Leitung unterschiedlich anhört. Damit hängt zusammen, dass sich möglicherweise Ihr räumliches Hören – also die Fähigkeit eine Stimme zu orten, verschlechtert hat. Störende Geräusche, wie etwa telefonierende Kollegen im Büro auszublenden, fällt Ihnen schwerer. Auch hier regeneriert sich das Ohr oder besser gesagt das Gehirn wieder, aber das dauert viel länger als die Rückkehr der reinen Hörleistung, nämlich 6–18 Monate.

Nicht bagatellisieren. Hörstürze werden von vielen verniedlicht, manche Arbeitgeber tendieren dazu, nach 1 oder 2 Wochen zur Rückkehr an den Arbeitsplatz, ins Büro oder zur Familie zu raten. Aus Sicht der Betroffenen ist das nicht ungefährlich: Ähnlich wie nach einem Herzinfarkt brauchen Sie auch nach einem Hörsturz Zeit, um Ihr Leben zu reorganisieren. Zeit für sich, die Prioritäten im Leben zu überdenken, aber auch Zeit fürs Gehirn und das betroffene Ohr, das richtige Hören wieder zu lernen. Lassen Sie sich krankschreiben und sorgen Sie am Arbeitsplatz (oder zu Hause) mehrere Monate lang für Entlastung. Am besten ist es, wenn Sie dies mit dem Arbeitgeber offen besprechen.

Komplementärmedizin

Akupunktur und Homöopathie können eine Option sein, wenn wiederholt Hörstürze auftreten, als Akuttherapie haben sie nach derzeitigem Erkenntnisstand jedoch keinen Wert.

Prävention von Rückfällen

Wie erwähnt erleiden ein knappes Drittel der Betroffenen einen zweiten oder dritten Hörsturz. Ob und was man tun kann, um dies zu verhindern ist umstritten:

Früher wurde das Ausschalten aller bekannten Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen als A & O betrachtet. Entsprechend sollte jeder, der unter Bluthochdruck und/oder erhöhtem Cholesterinspiegel leidet, die von seinem Arzt empfohlenen medikamentösen und nicht medikamentösen Maßnahmen einhalten. Auf Rauchen und übermäßigen Alkoholgenuss soll ebenso verzichtet werden wie auf übermäßigen Stress.

Stressmanagement.Die ärztliche Praxis zeigt aber, dass auch völlig "gefäßgesunde" Menschen rückfällig werden. Entscheidend für die Rückfallprävention scheint vielmehr die Ausschaltung von chronischem Stress zu sein. Die Betonung liegt auf chronisch: damit ist nicht die Angst und Stressphase vor einer Prüfung gemeint, sondern der andauernde und als ausweglos empfundene Dauerstress am Arbeitsplatz oder in der Zweierbeziehung, aber auch äußere Umstände wie hohe Verschuldung, wo keine Lösung in Sicht ist und die den Alltag stark belasten. Hier kann entscheidend helfen, im Leben "aufzuräumen" - und zum Beispiel den Arbeitsplatz zu wechseln, selbst wenn das zunächst einen Umzug bedeutet oder finanzielle Nachteile mit sich bringt. Ergänzend sind regelmäßiger moderater Ausdauersport wie Joggen und Radfahren sowie Mind-Body-Therapien wie die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) empfehlenswert.

Weiterführende Informationen

  • R.-G. Klomsdorff: Hörsturz – und danach? Asanger, 6. Auflage 2014. Ratgeber für Betroffene und Fachleute.

Innenohrschwerhörigkeit, Gehörlosigkeit und Taubheit

Innenohrschwerhörigkeit (Schallempfindungsschwerhörigkeit, cochleäre Schwerhörigkeit): Schwerhörigkeit durch gestörte Schallempfindung. Die Ursachen für eine Innenohrschwerhörigkeit sind vielfach ungeklärt, z. B. bei der weit verbreiteten Altersschwerhörigkeit. Für einige Formen der Innenohrschwerhörigkeit gibt es jedoch bekannte Ursachen, allerdings ist deren exakte Zuordnung für den Arzt nicht immer einfach. Davon abzugrenzen ist die Schallleitungsschwerhörigkeit (Mittelohrschwerhörigkeit) durch gestörte Schallleitung im äußeren Ohr oder Mittelohr.

Gehörlosigkeit (hochgradige Schwerhörigkeit, hochgradige Hörschädigung): Weitgehender Verlust des Gehörs. Obwohl 97 % der Gehörlosen noch über Restwahrnehmungen verfügen, die mit einem Hörgerät verstärkt werden können, spricht man von Gehörlosigkeit.

Taubheit: Vollständiger Verlust des Gehörs, keinerlei akustische Wahrnehmung mehr.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Allmählicher oder rascher Gehörverlust bzw. Fehlen des Gehörs
  • Säuglinge reagieren mit 3–6 Monaten nicht auf die Stimme der Mutter, später ist die Sprachentwicklung verzögert.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen,

  • wenn sich ein Gehörverlust einstellt.
  • Säuglinge nicht auf starke Geräusche oder die Stimme der Mutter reagieren.

Die Erkrankung

Ursachen und Risikofaktoren

Hinter dem HNO-ärztlichen Leitbefund "Innenohrschwerhörigkeit" stecken verschiedene Erkrankungen:

  • Die chronische Lärmschwerhörigkeit gehört zu den häufigsten Formen beidseitiger Innenohrschwerhörigkeit. Auslöser ist eine langfristige Lärmbelastung, z. B. am Arbeitsplatz, aber zunehmend auch bei jüngeren Menschen durch laute Musik (Kopfhörer oder Disco). Entscheidend für das Auftreten einer Lärmschwerhörigkeit sind Lautstärke, Tonfrequenz (hohe Töne sind schädlicher als tiefe), Dauer der Lärmbelastung und persönliche Lärmempfindlichkeit. Zur Vorbeugung ist konsequenter Lärmschutz unerlässlich.
  • Ursachen für eine traumatische Innenohrschwerhörigkeit sind plötzlich eintretende direkte oder indirekte Verletzungen. Zu den direkten Verletzungen gehört z. B. ein Bruch des Felsenbeins, bei dem auch das darin gelegene Innenohr beschädigt werden kann. Zu indirekten Verletzungen des Innenohrs kommt es z. B. beim Knalltrauma, das bei einer Explosion oder durch eine andere kurze Schalldruckwelle ausgelöst wird, oder beim Barotrauma, das beim Tauchen oder Fliegen durch erheblichen Unterdruck im Mittelohr zu Schäden am Innenohr führt.
  • Bei etwa einem von tausend Neugeborenen ist eine vererbte Form von Schwerhörigkeit bereits bei der Geburt vorhanden (z. B. Usher-Syndrom). Weitere Formen der angeborenen Innenohrschwerhörigkeit entwickeln sich erst in den ersten Lebensjahren. Manche kindlichen Innenohrschäden werden aber auch während der Schwangerschaft (z. B. Alkoholmissbrauch oder Rötelnerkrankung der Mutter), während der Geburt (z. B. Zangengeburt) oder nach der Geburt (z. B. schwere Mittelohrentzündung) erworben (frühkindlich erworbene Innenohrschwerhörigkeit).
  • Ursachen für eine entzündlich bedingte Innenohrschwerhörigkeit (Labyrinthitis) sind Infektionen und andere entzündliche Prozesse des Innenohrs oder seiner Umgebung. Sie treten auf, wenn Erreger über die Blutbahn zum Innenohr gelangen, z. B. als Folge von Borreliose, Mumps oder Masern. Auch eine akute oder chronische Mittelohrentzündung kann das Innenohr schädigen.
  • Einige Arzneimittel haben bei hoher Dosierung und Langzeitgebrauch ohrschädigende (ototoxische) Nebenwirkungen und beeinträchtigen damit die Innenohrfunktionen (toxisch bedingte Innenohrschwerhörigkeit). So zerstören Aminoglykosid-Antibiotika, wie Gentamicin und Streptomycin die Sinneszellen des Hör- und Gleichgewichtsorgans. Dieser Effekt wird bei der Behandlung der Menière-Krankheit sogar therapeutisch genutzt. Auch gewerbliche Gifte (z. B. Nitrobenzolverbindungen in Lösungsmitteln oder Schwermetallen) sowie Sucht- und Genussmittel (z. B. Alkohol oder Heroin) sind schädlich für das Innenohr.
  • Wenn sich die einseitige Schwerhörigkeit langsam verschlechtert und ein Tinnitus auftritt, liegt der Verdacht auf ein Akustikusneurinom nahe. Es handelt sich um einen gutartigen Tumor des Gehör- und Gleichgewichtsnervs. Im weiteren Verlauf finden sich unspezifischer Schwindel, Gangunsicherheit, Gesichtsschmerzen und eine einseitige Gesichtslähmung.

Einteilung in Grade

  • Geringgradig: normal laute Sprache wird aus einer Entfernung von mehr als 4 m noch verstanden; Hörverlust: 10–40 % (entspricht 20 dB)
  • Mittelgradig: normal laute Sprache wird aus einer Entfernung von 1–4 m verstanden; Hörverlust: 40–60 % (entspricht 40 dB)
  • Hochgradig: normal laute Sprache wird nur noch aus einer Entfernung von 0,25–1 m verstanden; Hörverlust: 60–80 % (entspricht 60 dB)
  • An Taubheit grenzend: normal laute Sprache wird nur noch aus einer Entfernung von weniger als 25 cm verstanden; Hörverlust: 80–95 % (entspricht 80 dB).

Diagnosesicherung

Diagnose angeborener oder frühkindlich erworbener Formen

Leider erkennt man eine von Geburt an vorliegende Innenohrschwerhörigkeit häufig erst bei Kindern mit etwa zwei Jahren, nämlich dann, wenn die Sprachentwicklung aus- oder zurückbleibt.

Die Grundlagen für den Spracherwerb werden jedoch bereits in den ersten zwölf Monaten gelegt, wenn sich die Nervenbahnen im Gehirn ausbilden – daher ist eine frühe Erkennung wichtig. Mit objektiven Messverfahren wie otoakustischen Emissionen oder der Hirnstammaudiometrie können Ärzte schon Neugeborene auf Schwerhörigkeit untersuchen, da sie auch ohne Mitarbeit des Kindes funktionieren. Die Kosten des Hörscreenings von Neugeborenen übernehmen die Krankenkassen.

Diagnose der Schwerhörigkeit bei Erwachsenen

Bei erwachsenen Patienten stellt der HNO-Arzt das Ausmaß der Schwerhörigkeit mit Hilfe von Hörtests (Tonaudiogramm und Sprachaudiogramm) fest.

Behandlung

In den meisten Fällen ist noch ein Resthörvermögen vorhanden, das mit Hörhilfen (siehe unter Altersschwerhörigkeit) verstärkt werden kann. Bei vollständig Ertaubten kommt der Einsatz eines Cochlea-Implantats infrage, um dem Betroffenen wieder bzw. erstmals eine auditive Wahrnehmung zu ermöglichen.

Cochlea-Implantat

Das Cochlea-Implantat (CI-System) kann sogar Tauben eine auditive Wahrnehmung ermöglicht, sofern ihr Hörnerv funktioniert. Es umgeht das geschädigte Innenohr und leitet die Höreindrücke als elektrische Impulse direkt an den Hörnerv weiter.

Aufbau und Prinzip. Das CI-System besteht aus einem inneren und einem äußeren Teil.

  • Während einer Operation unter Vollnarkose implantiert der Arzt eine Empfangsspule und einen Magneten in eine ausgefräste Mulde im Schädelknochen und führt von dort aus Elektroden in die Gehörschnecke ein.
  • Der äußere Teil besteht aus einem Mikrofon, einem Signalprozessor, der die Sprache in elektrische Impulse umwandelt und einer Sendespule. Er wird bei modernen Cochlea-Implantaten wie ein normales Hörgerät hinter dem Ohr getragen und durch den Magneten gehalten. Manche Cochlea-Implantate verfügen über ein separates Gehäuse für den Signalprozessor, das am Gürtel getragen wird.

Erfolgschancen. Die mit einem Cochlea-Implantat übermittelten Höreindrücke unterscheiden sich stark von den Sinneseindrücken eines normal Hörenden. In Rehabilitationszentren wird deshalb geübt Geräusche und Sprache wiederzuerkennen. Nach einigen Monaten Training gelingt das meist so weit, dass Sprache wieder verstanden wird. Manche Patienten erhalten nur auf einer Seite ein Implantat, manche auch beidseits. Mit zwei Implantaten gelingt das Sprachverständnis in unruhigen Situationen und das Richtungshören in der Regel besser. Der Erfolg hängt auch von der Ertaubungsdauer, der Sprachkompetenz, dem Zustand der Hörnerven und von der Motivation zum Trainieren und Erlernen der ungewohnten Höreindrücke, bzw. für Sprachlaute überhaupt, ab. Besonders erfolgreich verläuft die Behandlung daher bei Erwachsenen, die erst kürzlich ertaubt sind und zeitnah mit Cochlea-Implantaten versorgt werden. Gehörlos geborene Erwachsene profitieren kaum von einer Implantatversorgung.

Versorgung von Kleinkindern. Dass taube Kleinkinder mit Cochlea-Implantaten versorgt werden sollen, wird von ebenfalls gehörlosen Eltern häufig angezweifelt. Der Erfolg ist am größten, wenn sie in den ersten zwei Lebensjahren implantiert werden. Aus medizinischer Sicht ist dies das Beste. Sind die Eltern selbst gehörlos, fürchten sie oft, dass die Gebärdensprache und ihre eigene Gehörlosenkultur durch die Konzentration auf die Lautsprache an den Rand gedrängt werden. Als Kompromiss wachsen diese Kinder oft "bilingual" auf, d. h. sie erlernen zuerst die Gebärdensprache und später die Lautsprache. Entsprechend erhalten sie auch erst später Cochlea-Implantate.

Komplikationen bei Cochlea-Implantaten. Träger von Cochlea-Implantaten sind besonders gefährdet, an einer Mittelohrentzündung zu erkranken, aus der sich eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung entwickeln kann. Um dieser vorzubeugen, empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) Cochlea-Implantat-Trägern Impfungen gegen die häufigsten Erreger der Mittelohr- und Hirnhautentzündung, also Haemophilus influenzae Typ B, Streptokokken, Pneumokokken sowie Meningokokken.

Weiterführende Informationen

  • www.schwerhoerigen-netz.de – Deutscher Schwerhörigenbund e. V., Berlin: Enthält einen guten und sehr ausführlichen Ratgeber (auch als CD bestellbar) sowie Adressen von Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland.
  • www.dcig.de – Deutsche Cochlea Implant Gesellschaft e. V., Illertissen: Mit Adressen von Selbsthilfegruppen und spezialisierten Kliniken. Weitere Informationen zur Verbandszeitschrift "Schnecke" finden sich unter www.schnecke-ci.de.
  • O. Fritsche; K. Kestner: Diagnose hörgeschädigt. Was Eltern hörgeschädigter Kinder wissen sollten. Karin Kestner Verlag, 2006. Empfohlen vom Bundesverband Deutscher Hörgeschädigtenpädagogen.
  • G. Batliner: Hörgeschädigte Kinder spielerisch fördern: Ein Elternbuch zum frühen Hör- und Spracherwerb. Ernst Reinhardt Verlag, 2016 aktualisiert.

Menière-Krankheit

Menière-Krankheit (Morbus Menière): Meist einseitig auftretende Erkrankung des Innenohrs mit anfallsartiger Beschwerde: Trias von (Dreh–)Schwindel mit Übelkeit, zeitweise auftretender Hörminderung und chronischem Tinnitus.

Die Krankheit gilt als "überdiagnostiziert", weil die Diagnose oft zu Unrecht auch bei anderen Formen von Schwindel gestellt wird.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Anfallsartiger, über Stunden anhaltender Drehschwindel mit Übelkeit und evtl. Erbrechen
  • Zeitweise auftretende Hörminderung (auch Doppelthören)
  • Dauerhaft vorhandener, aber unterschiedlich intensiver Tinnitus.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • oben beschriebene Schwindelattacken zusammen mit einseitiger Hörminderung und/oder Tinnitus auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Verantwortlich für die Beschwerden ist vermutlich eine Druckerhöhung im Innenohr, ausgelöst durch eine Überproduktion und/oder einen geminderten Abtransport von Endolymphe. Dadurch entstehen ungünstige Bedingungen für die Sinneszellen des Hör- und Gleichgewichtsorgans, die für die Hörminderung und Ohrgeräusche sorgen.

Als Ursache für die Schwindelattacken wird zudem ein druckbedingter Riss in der Reissner-Membran diskutiert; diese hauchdünne Wand trennt im Innenohr normalerweise die Endo- von der Perilymphe. Durch einen Riss könnten sich die Elektrolyte beider Lymphflüssigkeiten mischen und den Schwindel auslösen.

Verlauf

Der Krankheitsverlauf variiert individuell stark. Die Spannbreite reicht von wenigen Anfällen mit anschließender dauerhafter Beschwerdefreiheit bis hin zu immer stärker werdenden Anfällen mit zunehmender Schwerhörigkeit oder sogar Ertaubung (ausgebrannte Menière-Krankheit).

Diagnosesicherung

Die Diagnose stellt der Arzt vor allem aufgrund der Schilderungen des Patienten. Das Tonaudiogramm weist im Anfangsstadium typischerweise einen Hörverlust bei tiefen Frequenzen nach, später sind alle Frequenzen betroffen. Das Sprachverständnis ist im Vergleich besonders stark gestört (Sprachaudiogramm).

Behandlung

Da die genauen Hintergründe der Menière-Krankheit unbekannt sind, existiert keine gezielte Therapie.

Pharmakotherapie

Bei akuten Beschwerden stehen Bettruhe und Medikamente gegen Übelkeit, Erbrechen und Schwindel (Dimenhydrinat, z. B. in Vertigo-Vomex® oder Sulpirid, z. B. in Sulpirid AL) im Mittelpunkt der Behandlung.

Vorbeugend. Zur Anfallsprophylaxe empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften die mehrmonatige Einnahme von Betahistin (z. B. Vasomotal® oder Aequamen®forte) um den Endolymphdruck zu reduzieren. In den ersten Wochen klagen Patienten dabei mitunter über leichten Durchfall oder eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut. Bei schweren und häufigen Attacken (monatlich oder häufiger) verordnet der Arzt oft ein niedrig dosiertes Diuretikum wie z. B. Hydrochlorothiazid, Triamteren oder Furosemid. Beide medikamentösen Behandlungsansätze sind leider nicht immer wirksam.

Operative Behandlung

Ein weiteres Behandlungsverfahren ist die Betäubung des Gleichgewichtssinns in einer Labyrinthanästhesie. Durch einen kleinen Schnitt im Trommelfell gibt der Arzt ein Betäubungsmittel in die Paukenhöhle, das sich von dort in Richtung Innenohr ausbreitet und den Gleichgewichtssinn betäubt. Die weitgehende Ausschaltung des Gleichgewichtssinns reduziert für Jahre die Schwindelanfälle oder verhindert sie sogar völlig, bei Bedarf kann der Eingriff wiederholt werden.

Sakkotomie. Um die Schwindelanfälle zu stoppen, kommt in schweren Fällen alternativ eine Operation in Betracht, die nur in spezialisierten HNO-Kliniken durchgeführt wird. Bei der Sakkotomie entfernt der Operateur etwas Knochen um den Hautsack herum, der die Endolymphe enthält. So kann sich der Hautsack bei Bedarf dehnen und die gefürchteten Schwindelanfälle bleiben aus. Auch das Hörvermögen verbessert sich oft dadurch oder es verschlechtert sich zumindest nicht weiter. In den letzten Jahren wurden die Erfolge dieses Eingriffs jedoch zunehmend angezweifelt.

Weitere Verfahren

Nur in seltenen Fällen unternimmt der Arzt weitere Schritte wie die absichtliche Zerstörung des Gleichgewichtsnervs (Nervus vestibularis). Dieser kann durch ototoxische Medikamente wie Gentamicin zerstört oder bei einer speziellen Operation, der Vestibularis-Neurektomie, durchtrennt werden. Wie eine aktuelle Studie zeigt, profitieren Patienten nach einer einseitigen Vestibularis-Neurektomie von der Einnahme von Betahistin. Dieses Medikament verkürzt die Erholungszeit nach dem Eingriff um mehr als einen Monat. Nachteil der Behandlungsmethoden: Sie können das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten. Bei beiden Verfahren droht durch den Eingriff eine weitere Hörverschlechterung oder sogar die Ertaubung.

Verhaltenstherapie und Entspannungstraining. Da die anfallsartig einsetzenden Schwindelanfälle bei Betroffenen heftige Angstgefühle erzeugen, kommt es zu krankheitsverstärkenden Konditionierungsvorgängen: Dadurch lösen immer harmlosere Situationen Menière-Schwindelattacken aus. Die Ärzte sprechen vom reaktiv psychogenen Schwindel. Diese können sich ausweiten zu einer manifesten Angststörung oder monatelang bestehenden depressiven Störung.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, haben sich zwei Verfahren etabliert:

  • Vestibuläre Rehabilitation: Mithilfe dieser evidenzbasierten Therapie trainieren Betroffene unter Anleitung eines Physiotherapeuten das erkrankte Gleichgewichtsorgan. Dabei führen Patienten komplexe Übungen durch, die Schwindel erzeugen, um das Gleichgewichtssystem ausreichend zu fordern. Das Gehirn soll dabei lernen die fehlerhaften Informationen des Gleichgewichtsorgans mit Hilfe anderer Sinneseindrücke – wie z. B. das Sehen – zu kompensieren. Ziel ist es auch, das Gleichgewichtsorgan an den Schwindel zu gewöhnen, womit die Schwindelsymptome allmählich abnehmen und das Gleichgewichtsorgan wieder belastbarer wird. Viele erlangen damit Selbstvertrauen und Sicherheit zurück.
  • Bestehen zugleich ängstliche oder perfektionsorientierte Persönlichkeitszüge, können Entspannungstechniken wie Autogenes Training; Yoga oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen helfen, den reaktiven psychogenen Schwindels unter Kontrolle zu bringen.

Prognose

Der Krankheitsverlauf der Menière-Krankheit variiert sehr stark und ist daher kaum vorhersehbar. Manche Betroffene erleiden nur eine oder wenige Attacken, in den meisten Fällen kommt es jedoch zu mehr oder minder häufigen Wiederholungen. Bei einer Erkrankungsdauer von 5 Jahren hat die Hälfte der Patienten Attacken auf beiden Seiten. In schweren Fällen verschlimmert sich die Hörminderung bis hin zur Ertaubung.

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Medikamente

Hat Ihnen der Arzt zur akuten Anfallsbekämpfung ein Anti-Schwindelmedikament wie Dimenhydrinat (z. B. VomexA®) verschrieben, tragen Sie es immer bei sich, um bei einer akuten Schwindelattacke sofort reagieren zu können.

Betahistin (z. B. Vasomotal® oder Aequamen®forte) wird häufig zur Langzeitprophylaxe verordnet. Um Ihren Magen zu schonen, nehmen Sie dieses Medikament am besten nach dem Essen ein.

Komplementärmedizin

Körpertraining. Zwar erholt sich nach einem akuten Menière-Anfall das Gleichgewichtssystem in der Regel wieder, nach häufigeren Anfällen bzw. in fortgeschrittenen Stadien gilt dies jedoch nur bedingt. Ein intensives Körpertraining, z. B. mit Feldenkrais-Übungen hilft, mögliche Ausfälle im Gleichgewichtsnetzwerk zu verbessern.

Akupunktur. Es liegen Einzelbeobachtungen vor, wonach Häufigkeit und Intensität der Schwindelanfälle durch Akupunktur gelindert werden konnten.

Homöopathie. Eventuell lindert innerhalb der Homöopathie eine individuell abgestimmte Konstitutionstherapie die Symptome. Häufig eingesetzte homöopathische Mittel bei der Menière-Krankheit sind z. B. Acidum salicylicum, China, Sulfur oder Tabacum.

Entspannungsverfahren. In den beschwerdefreien Phasen tragen Autogenes Training und andere Entspannungsverfahren mit dazu bei, die seelische Belastung durch die Krankheit und die Angst vor einem erneuten Anfall besser zu bewältigen.

Prävention

An erster Stelle steht das Ausschalten aller bekannten Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen. Deshalb sollte jeder, der unter Bluthochdruck und/oder erhöhtem Cholesterinspiegel leidet, die von seinem Arzt empfohlenen medikamentösen und nicht medikamentösen Maßnahmen einhalten. Verzichten Sie außerdem auf Rauchen und übermäßigen Alkoholgenuss und versuchen Sie, Stress abzubauen. Auch regelmäßiger moderater Ausdauersport wie Joggen, Radfahren und Nordic Walking ist empfehlenswert.

In manchen Fällen hilft aus ungeklärten Gründen eine salzarme Diät, die Anzahl der Schwindelanfälle zu reduzieren.

Weiterführende Informationen

  • H. Schaaf: Morbus Menière: Schwindel, Hörverlust, Tinnitus: Eine psychosomatisch orientierte Darstellung. Springer, 2017.
  • K.-F. Hamann: Schwindel. 200 Fragen und Antworten. Zuckschwerdt, 2017. Zeigt, welche Erkrankungen sich hinter der Beschwerde "Schwindel" verbergen können und wie sie behandelt werden.

Ohrenschmalzpfropf

Ohrenschmalzpfropf (Cerumen obturans, Zeruminalpfropf): Teilweiser oder vollständiger Verschluss des äußeren Gehörgangs durch Ohrenschmalz, verbunden mit Hörminderung.

Ursachen sind eine übermäßige Ohrenschmalzproduktion, ein gestörter Selbstreinigungsmechanismus des äußeren Gehörgangs oder eine unsachgemäße Reinigung mit Wattestäbchen, bei der das Ohrenschmalz tief in den Gehörgang geschoben wurde.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Zunehmende oder abrupt auftretende Hörminderung
  • Druckgefühl im Ohr
  • Eventuell Ohrgeräusche und Schwindel.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • das Hören vermindert ist oder Druckgefühl auftritt.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Ist der Selbstreinigungsmechanismus des Ohrs gestört – meist durch unsachgemäße Säuberung mit Wattestäbchen –, bilden sich größere Ansammlungen von Ohrenschmalz. Sie vermischen sich mit Hautschuppen und von außen in das Ohr eingedrungenem Schmutz. Mit der Zeit entsteht daraus ein Pfropf, der den äußeren Gehörgang ganz oder teilweise verschließt und eine Hörminderung sowie ein Druckgefühl im Ohr bewirkt.

Häufig quillt der Pfropf durch Wasserkontakt auf, sodass der Betroffene die Hörminderung kurz nach dem Duschen oder Schwimmen als plötzliches Ereignis empfindet.

Risikofaktoren

Enge Gehörgänge und die individuell unterschiedliche Zusammensetzung des Ohrenschmalzes begünstigen die Entstehung eines Pfropfs. Auch das Einsetzen und Tragen von Hörgeräten fördert durch das Hineinschieben des Zerumens in den Gehörgang die Entwicklung von Ohrenschmalzpfröpfen.

Komplikationen

Komplikationen wie eine Gehörgangsentzündung sind selten.

Diagnosesicherung

Mit Hilfe des Otoskops, einem Ohrtrichter mit Lampe und Lupe, untersucht der Arzt den äußeren Gehörgang gründlich. Dabei achtet er auf mögliche andere Verschlussursachen wie Fremdkörper, Tumoren oder Hautschuppen.

Behandlung

Der Arzt entfernt den Pfropf mit einem Sauger, speziellen Häkchen oder auch durch eine Ohrspülung. Dafür setzt sich der Patient bequem hin, seine Kleidung wird durch ein wasserdichtes Abdecktuch geschützt. Dann spült der Arzt mit einer möglichst stumpfen Ohrspritze körperwarmes Wasser mit wenig Druck in den Gehörgang. Das Wasser und das gelöste Ohrenschmalz laufen in eine Nierenschale ab, die der Patient oder eine Assistentin unter das betreffende Ohr hält. Bei Bedarf wird die Ohrspülung mehrmals wiederholt. Einen sehr harten Ohrenschmalzpfropf weicht der Arzt vor der Ohrspülung durch Ohrentropfen mit Wasserstoffperoxid oder Glycerin auf. Zum Schluss prüft er den Behandlungserfolg durch eine erneute Untersuchung des Gehörgangs.

Prognose

Bei sachgerechter ärztlicher Behandlung ist der Ohrenschmalzpfropf eine harmlose Erkrankung. Wiederkehrende Ohrenschmalz-Probleme sind selten, und haben als Ursache enge Gehörgänge und eine pfropf-fördernde Ohrenschmalzzusammensetzung.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Zum Arzt gehen.Von einer Selbstbehandlung mit Präparaten zum Erweichen und Ausspülen eines Ohrenschmalzpfropfs wie etwa Ohrenkerzen, Sprays oder Ölen ist abzuraten. Zum einen können diese Gehörgang und Trommelfell verletzen, zum anderen sind eventuelle ernste Ursachen der Beschwerden für den Laien nicht erkennbar.

Prävention

Ohrenreinigung.Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung eines Ohrenschmalzpfropfs ist die fachgerechte Ohrreinigung. Vor allem: Vorsicht mit Wattestäbchen! Für das Reinigen der Ohrmuschel von Ohrenschmalz reicht ein gewöhnliches Taschentuch aus.

Falls Sie ein Hörgerät tragen, lassen Sie sich ihre Ohren regelmäßig auf Ohrenschmalzpfröpfe untersuchen und Ihre Ohren reinigen.

Wer häufig unter Ohrenschmalzpfröpfen leidet, sollte seine Gehörgänge regelmäßig beim HNO-Arzt inspizieren und reinigen lassen.

Ohrmuschelentzündungen

Ohrmuschelentzündungen: Entzündungen, die Oberhaut, Ohrknorpel oder Unterhaut der Ohrmuschel betreffen.

In manchen Fällen begünstigen sich die verschiedenen Ohrmuschelentzündungen auch gegenseitig. Sie können sich zudem in Richtung Gehörgang oder zum restlichen Gesicht hin ausbreiten. Je nach Ort und Auslöser werden Ohrmuschelentzündungen in 3 Gruppen eingeteilt:

  • Ohrmuschelekzem: Trockene oder feuchte Entzündung der Oberhaut der Ohrmuschel.
  • Perichondritis: Akute bakterielle Entzündung der Knorpelhaut, im Bereich der Ohrmuschel sowie der umgebenden Haut.
  • Wundrose (Erysipel) der Ohrmuschel: Akute bakterielle Entzündung der Lymphspalten und -gefäße von Haut und Unterhaut, im Bereich der Ohrmuschel sowie ihrer Umgebung.

Symptome und Leitbeschwerden

Bei Ohrmuschelekzem:

  • Haut der Ohrmuschel gerötet, trocken-schuppig oder feucht-nässend, manchmal sind nur kleinere Hautbereiche betroffen
  • Heftiger Juckreiz, gelegentlich Brennen
  • Schmerzen

Bei Perichondritis:

  • Starke Schmerzen und Druckempfindlichkeit der Ohrmuschel, das Ohrläppchen ist nicht betroffen
  • Die umliegenden Lymphknoten schwellen an
  • Das Allgemeinbefinden ist beeinträchtigt

Bei Wundrose:

  • Fieber und schmerzhafte Erwärmung der Ohrmuschel
  • Ohrläppchen und angrenzende Gesichtshaut sind mitbetroffen
  • Allgemeines Krankheitsgefühl.

Wann zum Arzt

Heute noch bei

  • starken Schmerzen.

In den nächsten Tagen

  • bei starkem Juckreiz oder wenn sich Eiter gebildet hat.

Die Erkrankungen

Krankheitsentstehung

Ein Ekzem der Ohrmuschel ist nicht infektiös, sondern meist eine Überreaktion der Ohrmuschelhaut auf innere oder äußere Auslöser. Zu den äußeren Auslösern gehören Allergien gegen Ohrschmuck und Piercings, Kosmetika, Seifen und Shampoos.

Auch Hörgeräte, in das Ohr einsteckbare Kopfhörer und Lärmschutzstöpsel reizen die Haut mechanisch und/oder allergisch. Manchmal weisen Entzündungen auch auf eine allgemeine Hauterkrankung (z. B. Schuppenflechte) hin.

Weitere Ursachen sind Schäden durch UV-Licht (Sonnenbrand) oder Erfrierung. Innere Ursachen, die ein Ekzem begünstigen, sind z. B. Stress, Depressionen und vor allem ein geschwächtes Immunsystem. Ist die Ohrmuschelhaut durch das entzündliche Ekzem rissig geworden, können Bakterien in untere Hautbereiche eindringen und zu einer Perichondritis oder Wundrose führen:

Perichondritis. Bei einer Perichondritis besiedeln Bakterien, meist Staphylokokken, eine entzündete Stelle. Manchmal dringen die Keime auch über Mückenstiche, Hautverletzungen oder über nicht abgeheilte Piercinglöcher ein. Die Infektion greift auf den Knorpel über, knorpelfreie Bereiche wie die Ohrläppchen sind davon nicht betroffen. Unbehandelt schädigt diese Infektion den Knorpel und verformt die Ohrmuschel dauerhaft.

Wundrose. Bei der Wundrose greift eine bakterielle Entzündung mit Streptokokken auf die Unterhaut der Ohrmuschel und ihre Umgebung über. Im Gegensatz zur Perichondritis können auch das Ohrläppchen und die Gesichtshaut in direkter Umgebung betroffen sein. Eintrittspforten für Streptokokken sind kleinere Verletzungen oder Kratzwunden sowie ekzematös geschädigte Haut.

Komplikationen

Häufig greift eine Entzündung der Ohrmuschel auf den äußeren Gehörgang über oder umgekehrt.

Wird eine Perichondritis nicht frühzeitig behandelt, kann sie sich ausbreiten, zu Nekrosen führen und den Knorpel dauerhaft verformen. Als Folge drohen die sogenannten Blumenkohlohren, die sonst typischerweise durch äußere Gewalteinwirkung und Verletzungen beim Ringen, Fußball oder Boxen entstehen.

Diagnosesicherung

Entzündungen der Ohrmuschel erkennt der Arzt in aller Regel mit bloßem Auge. Wenn der äußere Gehörgang mitbeteiligt ist, führt der Arzt eine Otoskopie oder Ohrmikroskopie durch. Dabei überblickt er mit dem Otoskop, einem Ohrtrichter mit Lampe und Lupe, den Gehörgang bis tief hinein zum Trommelfell. Das Ohrmikroskop bietet eine noch bessere Sicht mit stärkerer Vergrößerung und hellerer Ausleuchtung.

Bestehen Hinweise auf eine Allergie, schließt sich unter Umständen eine dermatologische Allergiediagnostik an.

Bei Verdacht auf bakterielle Infektionen macht der Arzt – wenn möglich – einen Abstrich zum Erregernachweis, um das passende Antibiotikum auszuwählen.

Behandlung

Behandlung bei Ohrmuschelekzem

Wenn keine bakteriellen Komplikationen vorliegen, werden Ekzeme mit Salben, Cremes oder Lösungen behandelt. In manchen Fällen verschreibt der Arzt antibakterielle Salben, um eine mögliche Superinfektion, das heißt ein Aufpfropfen von Bakterien auf die ekzematös geschädigte Haut, zu verhindern.

Behandlung bei Perichondritis

Eine Perichondritis wird systemisch, d. h. innerlich, mit einem Antibiotikum und einem Kortikoid behandelt. Im frühen Stadium der Erkrankung reichen dafür meist oral einzunehmende Antibiotika aus, im fortgeschrittenen Stadium sind manchmal intravenös verabreichte Präparate nötig.

Wurde mittels Abstrich ein Erreger nachgewiesen, verordnet der Arzt gezielt das passende Antibiotikum. Ansonsten verschreibt er Ciprofloxazin oder Levofloxazin oder ein anderes Breitspektrumpräparat, welches die wahrscheinlichen Keime abdeckt, die auch in Knorpelgewebe eindringen können. Hinzu kommen antibiotika- und/oder kortikoidhaltige Salbenverbände, die täglich gewechselt werden müssen.

Behandlung bei Wundrose

Zur Behandlung einer Wundrose spritzt der Arzt ein hoch dosiertes, streptokokkenwirksames Antibiotikum (in erster Linie Penizillin G). Bei starken Schmerzen helfen Analgetika wie Paracetamol oder Ibuprofen.

Prognose

Rechtzeitig erkannt und gegebenenfalls antibiotisch behandelt, ist die Prognose bei Ohrmuschelentzündungen gut.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention

Hygiene. Achten Sie bei kosmetischen Maßnahmen wie Piercing, Ohrlochstechen oder Tätowierungen darauf, dass dies unter allerbesten hygienischen Voraussetzungen vorgenommen wird und halten Sie die Hygieneregeln danach sorgfältig ein.

Hautreizung meiden. Haben Sie schon einmal unter einer Ohrmuschelentzündung gelitten, sollten Sie generell auf Ohrschmuck oder hautreizende Kosmetika verzichten. Im Fall von Haarfärbemitteln ist es wichtig, die Verträglichkeit des Mittels vor der ersten Verwendung an einer anderen Körperstelle, zum Beispiel am Handgelenk, zu prüfen.

Otosklerose

Otosklerose (Otospongiose): Versteifung der Gehörknöchelchen, v. a. des Steigbügels am Übergang zum Innenohr.

Infolge einer örtlichen Mineralstoffwechselstörung verknöchert die Gehörknöchelchenkette und wird zunehmend unbeweglich. Folge ist eine zunehmende Schallleitungsschwerhörigkeit bis hin zur Ertaubung. Dies kann durch eine rechtzeitige Operation verhindert werden.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Langsam zunehmende Schwerhörigkeit (anfangs einseitig)
  • Häufig Tinnitus, seltener Schwindel
  • Der Tinnitus ist typischerweise tiefklingend.

Wann zum Arzt

Am gleichen Tag, wenn

  • Schwindel auftritt.

In den nächsten Tagen, bei

  • wiederkehrendem Tinnitus.
  • zunehmendem Hörverlust.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Kennzeichnend für die Otosklerose ist eine zunehmende Verknöcherung der Gehörknöchelchenkette aufgrund einer lokalen Mineralstoffwechselstörung. Die damit einhergehende Unbeweglichkeit der Gehörknöchelchen beeinträchtigt die Schallleitung und das Hörvermögen nimmt stetig ab.

Verlauf

Die Otosklerose beginnt meist auf einem Ohr mit einer langsam zunehmenden Schwerhörigkeit, später sind in etwa 70 % aller Fälle beide Ohren betroffen, jedoch meist unterschiedlich stark. Auffälliges Symptom sind Ohrgeräusche wie Brummen oder Summen, also tiefklingende Tinnitus-Geräusche.

Allerdings gibt es auch zahlreiche beschwerdefreie Verläufe: Bei jedem Hundertsten lassen sich Verknöcherungen nachweisen, ein Großteil der Betroffenen verspürt aber nie die typischen Beschwerden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Krankheit macht sich am häufigsten zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr bemerkbar und betrifft etwa doppelt so viele Frauen wie Männer.

Die genauen Krankheitsursachen sind bisher ungeklärt. Als auslösender Faktor diskutiert man unter anderem eine örtliche Infektion mit dem Masernvirus. Teilweise ist die Krankheit erblich. Des Weiteren rufen hormonelle Umstellungen (z. B. in der Schwangerschaft oder auch durch die Einnahme der Pille) eine schubartige Verschlechterung der Otosklerose hervor.

Diagnosesicherung

Der Arzt sichert die Diagnose nach Inspektion des Trommelfells mit dem Ohrmikroskop anhand verschiedener Hörprüfungen, die ein charakteristisches Gesamtbild liefern. So zeigt sich z. B. im Tonaudiogramm typischerweise eine gestörte Schallleitung im mittleren bis hohen Frequenzbereich und im Sprachaudiogramm ein eingeschränktes Sprachverständnis.

Gellé-Versuch. Speziell zum Nachweis einer unbeweglichen Gehörknöchelchenkette dient der Gellé-Versuch: Der Arzt setzt eine angeschlagene Stimmgabel auf die Schädelmitte und erhöht zugleich mit Hilfe eines Ballons den Druck im Gehörgang des betroffenen Ohrs. Dieser Überdruck schränkt beim Gesunden die Beweglichkeit der Gehörknöchelchen ein, sodass der Ton leiser wird. Hört der Patient ihn dennoch in unveränderter Stärke, spricht dies für eine versteifte Gehörknöchelchenkette.

Bildgebende Verfahren. CT oder MRT-Untersuchungen sichern die Diagnose und zeigen auf, wie weit die Otosklerose fortgeschritten ist.

Behandlung

Operative Behandlung

Eine ursächliche Behandlung der Otosklerose ist bisher nicht bekannt, die resultierende Schwerhörigkeit kann aber durch eine Operation erfolgreich gemindert werden. Dabei ersetzt der Chirurgen Steigbügel teilweise oder ganz durch eine Steigbügelprothese (Stapesplastik), sodass der Schall wieder weitergeleitet werden kann. Der Eingriff ist unter Lokalanästhesie oder Vollnarkose möglich und bringt üblicherweise einen kurzen Klinikaufenthalt (3–5 Tage) mit sich.

Statt der Operation kann der Arzt zur Verbesserung des Hörvermögens auch ein Hörgerät anpassen.

Komplikationen

Die häufigste Komplikation ist Schwindel, ausgelöst durch ein schlecht sitzendes Implantat.

Prognose

Etwa 4–6 Wochen nach der Operation ist die Prothese vollständig eingewachsen und das Hörvermögen bessert sich in der Regel deutlich.

Ihr Apotheker empfiehlt

Nach der OP.Nach einer Ohrenoperation müssen Sie eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen beachten: Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wie lange kein Wasser in den Gehörgang eindringen darf. Hat er die Ohrtamponade bereits entfernt, können Sie vor dem Duschen ein großes Stück Watte mit Bepanthen-Salbe einreiben und unter einer Duschhaube vor dem Eingang des Gehörganges platzieren. Achtung, die Watte darf nicht in den Gehörgang geschoben werden. Ob Sie schwimmen dürfen, klären Sie bitte mit Ihrem Arzt.

Verzichten Sie für eine optimale Wundheilung auf Nikotin. Naseschnäuzen ist 4 Wochen verboten, müssen Sie niesen, öffnen Sie dabei unbedingt den Mund. Vermeiden Sie, sich beim Schlafen auf das operierte Ohr zu legen.

Die Empfehlungen bezüglich Flugreisen sind unterschiedlich. Die ersten 4 Wochen nach der Operation sollten Sie Flugreisen jedoch besser vermeiden. Auf Sport und Saunagänge verzichten Sie sicherheitshalber 6 Wochen lang.

Hinweis: Acetylsalicylsäure enthaltende Schmerzmedikamente erhöhen die Gefahr des Nachblutens – sie sind deshalb die ersten 10 Tage nach der Operation verboten.

Tinnitus

Tinnitus (Ohrgeräusch, Ohrklingeln): Wahrnehmung von Geräuschen ohne Schallquelle.

Immerhin ein Drittel der Erwachsenen in den Industrieländern haben zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens mindestens einmal eine tage- bis wochenlange Phase eines akuten Tinnitus – Ohrgeräusche sind also praktisch eine Volkskrankheit. Bei 3 Millionen Patienten sind sie in einen chronischen Tinnitus übergegangen. Von einem chronischen Tinnitus spricht man, wenn die Ohrgeräusche länger als drei Monate anhalten.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Auftreten von Geräuschen unterschiedlicher Klangqualität: am häufigsten hochfrequentes Pfeifen, Rauschen oder Summen; seltener Zischen, Piepsen, Sausen oder Brummen
  • Häufig gleichzeitig Schwerhörigkeit
  • Vor allem in der Stille (z. B. nachts) wahrnehmbar.

Wann zum Arzt

Innerhalb von 2 Tagen, wenn

  • plötzlich deutlicher Hörverlust auftritt. Hier besteht Verdacht auf Hörsturz, seltener auch bei verstopftem Gehörgang (Ohrenschmalzpfropf) vorkommend.

In den nächsten Tagen, wenn

  • quälende Ohrgeräusche auftreten, nicht mehr verschwinden. Nach intensiver Lärmexposition wie z. B. Open-Air-Konzert oder Schießübungen ist ein mehrtägiger Tinnitus jedoch normal.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Tinnitus ist eigentlich keine Erkrankung, sondern ein Symptom, das von vielen verschiedenen Grunderkrankungen ausgelöst werden kann.

Häufig liegt eine Funktionsstörung im Hörsystem zugrunde, Anzeichen dafür ist ein gleichzeitiger Hörverlust. Fast die Hälfte der Tinnitus-Betroffenen haben zusätzlich auch eine Hörminderung. Oft lassen sich jedoch keine Schäden am Ohr nachweisen. Das legt den Schluss nahe, dass Tinnitus in Regionen entsteht, die an der Geräuschweiterleitung und -verarbeitung beteiligt sind.

Ursachen und Risikofaktoren

Viele unterschiedliche Grunderkrankungen verursachen Tinnitus. Davon hängt ab, ob dieser akut oder chronisch, ein oder beidseitig auftritt oder der Betroffene ihn als pulsierend empfindet. Die häufigsten Auslöser dieser Tinnitusformen sind:

einseitiger akuter Tinnitus

  • Ohrenschmalzpfropf und abdichtender Fremdkörper im Ohr
  • Erkrankungen des Mittel- und Innenohrs wie Gehörgangsentzündung und Mittelohrentzündung
  • Hörsturz.

zumeist beidseitiger akuter Tinnitus

  • Erkältung und Nasennebenhöhlenentzündung
  • Akute Lärmeinwirkung (laute Musik oder Knalltrauma)
  • Medikamente wie Schmerz- und Rheumamedikamente, Diuretika und Chemotherapeutika, seltener Antibiotika.

zumeist einseitiger chronischer Tinnitus

  • Menière-Krankheit
  • Akustikusneurinom (gutartiger Tumor am Hörnerv) und andere Tumoren in der Nähe von Innenohr oder im Gehirn
  • Störungen des Kaumuskelsystems und Verspannungen in der Kiefer- und Nackenmuskulatur.

zumeist beidseitiger chronischer Tinnitus

  • Otosklerose (Knochenerkrankung an Mittel- und Innenohr)
  • Altersschwerhörigkeit
  • Bluthochdruck, selten auch sehr niedriger Blutdruck
  • Blutarmut
  • Dauerstress, ausweglos empfundene Lebenssituation
  • Depressionen
  • Angststörungen

pulsierender chronischer Tinnitus

  • Gutartige Tumoren der Blutgefäße am Hals, an der Schädelbasis oder am Trommelfell
  • Gefäßfehlbildungen oder -verengungen (Arteriosklerose)
  • Funktionsstörungen der Ohrtrompete
  • Gefäßgeräusche durch ungewöhnliche Gefäßverläufe

Anhand der vom Patienten geschilderten Tinnitusbeschwerden und weiterer Symptome wie zum Beispiel Schwindel oder Hörverlust sucht der Arzt nach der ursächlichen Grunderkrankung. Tritt z. B. ein einseitiger Tinnitus zusammen mit einer sich einseitig verschlechternden Hörfähigkeit auf, denkt der Arzt an ein Akustikusneurinom. Der Tinnitus schwindet mit zunehmender Ertaubung. Bei plötzlicher Hörminderung klärt er ab, ob ein Hörsturz vorliegt. Bei Tinnitus, Hörminderung plus Schwindel steht eine Menière-Krankheit im Raum. Ist der Tinnitus pulsierend, sind möglicherweise die Blutgefäße am Hals, an der Schädelbasis oder am Trommelfell verändert. Gelegentlich lösen auch Medikamente Ohrgeräusche aus. Chininhaltigen Erfrischungsgetränken schreibt man ebenfalls Tinnitus auslösende Effekte zu. Gibt es keinen Auslöser, liegt ein idiopathischer Tinnitus vor. Oft stehen dann psychische Ursachen im Raum, was sich aber kaum als Tinnitus-Ursache beweisen lässt.

Psychische Faktoren

Betroffene schildern oft, dass der Tinnitus im zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang mit seelischen, aber auch körperlichen Belastungen auftritt.

Auch seine Tonhöhe und Intensität verändern sich oft mit dem Stressniveau: Gibt es im Alltag eine Belastungsspitze, wird der Tinnitus hochfrequent und laut. Stehen Urlaub und Entspannung an, so klingt er tiefer und wird leiser. Häufig beschreiben Patienten sogar ein einzelnes traumatisches Ereignis als Auslöser. Angstzustände und depressive Verstimmungen verstärken die Symptomatik weiter.

Hörsturz und Tinnitus

Das gesunde Innenohr hat eine große "Reizamplitude" – extrem große Schalldrücke (Lärm, Musikfestival, Schussgeräusche) machen ebenso wenig wie sehr geringe Schalldrücke (also weitestgehende Stille). Das durch den Hörsturz geschädigte Innenohr hat nur noch eine geringe Reizamplitude:

  • enorme Beschallung (Lärm, Musikfestival, Schussgeräusche) führt zu vorübergehender Schwerhörigkeit, Tinnitus und evtl. sogar zu Schmerzen und einer Lärmphobie
  • sehr geringe Schalldrücke, also weitestgehende Stille, sind aber auch schlecht, weil die "unterbeschäftigten" Innenohrsinneszellen dann selbst "Musik" machen, aber die geschädigten Filter im Innenohr diese nicht mehr ausfiltern können.

Die Lösung ist die Mitte, und die Meidung der Extreme: also temporärer Schallschutz bei hohem Lärm – und temporäre zusätzliche Schallquellen (üblicherweise Musik) bei übermäßiger Stille. Verlässt man die Mitte, verschlimmert sich der Tinnitus:

  • Bei zu großer Stille tritt das Grundrauschen der Hörsinneszellen in den Vordergrund. Das bedeutet, der Tinnitus wird schlimmer. Kritisch sind zumeist das Einschlafen und die nächtlichen Wachperioden.
  • Übergroßer, als unangenehm empfundener Schall – also Lärm – irritiert die Betroffenen und kann krank machen. Die Folgen von erwünschtem starkem Schall wie z.B. beim Konzert des Lieblings-Popstars sind geringer.
  • Bricht der Lärm dann ab und tritt wieder Stille ein, kann der Tinnitus zu einem Dröhnen anschwellen. Kritisch sind etwa Besuche in einem vollen Restaurant mit lauter Hintergrundmusik oder der Aufenthalt auf Baustellen mit großem Baumaschinenlärm.

Verlauf

In etwa 70 % klingt der Tinnitus innerhalb von zwei Monaten ab. Die Symptomatik verschwindet also von selbst wieder, auch ohne Therapie. Von daher ist zwar die Besorgnis der Betroffenen über das plötzliche Geräusch oder den Ton gut zu verstehen, aber von medizinischer Seite handelt es sich in seltenen Fällen um eine schlimme Erkrankung.

Viele Betroffene fühlen sich in ihrer Lebensqualität aber deutlich eingeschränkt, 400 000 Menschen in Deutschland sind durch Ohrgeräusche derart belastet, dass sie unter Schlafstörungen, Depressionen und Angstzuständen leiden.

Diagnosesicherung

Die Diagnose ist teilweise sehr komplex, da viele Grunderkrankungen infrage kommen. In der Regel werden Hörprüfungen durchgeführt, um etwaige Einschränkungen des Hörvermögens genau zu erfassen. Zudem gibt das Gespräch mit dem Patienten wichtige Hinweise über mögliche Auslöser wie Stress oder Lärm. Anschließend kommen Untersuchungen des Herz-Kreislauf-Systems, des Stoffwechsels oder der Halswirbelsäule hinzu.

Behandlung

Die Behandlung ist stark vom Einzelfall abhängig und erfordert vom Arzt eine sorgfältige Prüfung der verschiedenen Therapieoptionen. Die Spontanheilung, d. h. die Rückbildung sämtlicher Symptome ohne Therapie, liegt bei 70 %. Eine klare, eindeutig wirksame Behandlung existiert bisher nicht – aufgrund der hohen Spontanheilungsrate lässt sich die Wirksamkeit einzelner Verfahren nur schlecht belegen.

Akuter Tinnitus

Ein durch ein akutes Ereignis wie ein Rockkonzert oder ein Knalltrauma ausgelöster Tinnitus verschwindet in der Regel von selbst und benötigt keine Therapie außer 1-2 Tage Geduld.

Ansonsten ist es beim akuten Tinnitus wie so oft in der Medizin: da nichts wirklich hilft, gibt es eine Menge von Therapieverfahren mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Auch übernehmen die Krankenkassen die Kosten oft nicht - was zusätzlich misstrauisch machen sollte. Behandelt wird der akute Tinnitus z. B. durch:

  • Kortison. Wie beim Hörsturz bietet sich eine 10- bis 15-tägige Behandlung mit Kortison in absteigender Dosierung an, beginnend z. B. als hoch dosierte Spritze oder Infusion, dann ab dem 3.–5. Tag in Tablettenform. Alternative ist, das Kortison direkt ins Ohr zu spritzen.
  • Ambulante Infusionstherapie. Früher durchliefen viele Patienten eine ambulante Infusionstherapie für etwa 5–10 Tage, jeweils 2–4 Stunden pro Tag, um die Durchblutung des Innenohrs zu verbessern. Experten sehen diese Verfahren nicht nur aufgrund der nicht belegten Wirksamkeit kritisch. Im Fall vom manchmal noch verwendeten Lidocain können zudem ernste Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen auftreten.
  • Hyperbare Sauerstofftherapie. Beim akuten Tinnitus wird auch die hyperbare Sauerstofftherapie in der Druckkammer als Therapieversuch angeboten. Diese Kosten übernehmen die Krankenkassen normalerweise nicht.
  • Manuelle Behandlung. Bei Problemen der Halswirbelsäule hilft eine Untersuchung und Behandlung z. B. beim Orthopäden oder beim Chiropraktiker.

Begleitend erfolgt immer, wenn möglich, eine Behandlung der Grunderkrankung.

Chronischer Tinnitus

Beim chronischen Tinnitus ist das primäre Therapieziel die Linderung der Symptome. Das A und O ist der "vernünftige" Umgang mit dem Ohrgeräusch, mit Lärm und mit Stille. Die Lösung ist - wie oben erklärt - das Meiden der Extreme: also temporärer Schallschutz bei hohem Lärm – und temporäre zusätzliche Schallquellen wie Musik bei übermäßiger Stille. Deshalb helfen folgende Tipps:

  • Bei normaler Geräuschkulisse (Fernsehen, Geselligkeit, normale Tagesgeräusche): Lassen Sie das Ohr offen – stört der Lärm, ist Watte ins geschädigte Ohr die beste Erste Hilfe – das nimmt ca. 10 dB Schalldruck, das ist nicht zu viel.
  • Reicht das nicht aus, sind moderne Arbeitsschutzstöpsel zu empfehlen, die das Ohr elastisch abdichten. Diese gibt es preiswert im Internet. Sie nehmen 20-30 dB Schalldruck, also recht viel. Oropax und ähnliche feste Schallstöpsel sind was fürs Museum, weil sie das Ohr nur zeitweise wirklich abdichten und ihre Wirkung deshalb stark schwankt.
  • Wenn es an angenehmen Umgebungsgeräuschen mangelt, machen Sie selber Geräusche die sie mögen, etwa Hintergrundmusik und lassen Sie diese laufen. Auch ein leise laufender Fernseher im Nebenzimmer ist für manche besser als Stille. Nachts ist es definitiv besser, mit geöffnetem Fenster zu schlafen, damit die Geräuschkulisse von außen Ihr geschädigtes Ohr "beschäftigt".
  • Haben Sie einen Hörschaden, lassen Sie sich beraten, ob Ihnen ein Hörgerät hilft. Dieses nützt doppelt: es verstärkt leise Geräusche und Sprache und minimiert so ungünstige Stilleperioden und es regelt zugleich überschwelligen Lärm elektronisch herunter. In der Praxis berichten deshalb viele Betroffene, dass der Gebrauch des Hörgeräts ihren Tinnitus erträglicher gemacht hat.

Die aktuellen Leitlinien zur Behandlung des chronischen Tinnitus empfehlen die kognitive Verhaltenstherapie auf der Grundlage eines evidenzbasierten, strukturierten Therapiemanuals als Gruppen- oder Einzeltherapie. Dabei lernt der Patient, seine Aufmerksamkeit weniger auf die Ohrgeräusche zu fokussieren und seine diesbezüglichen Ängste abzubauen.

Viele der häufig angewandten Behandlungsverfahren werden in den aktuellen Leitlinien eher kritisch diskutiert. Zu weiteren, unterschiedlich beurteilten Therapieversuchen gehört:

  • Tinnitusmasker. Akustische Überdeckung des störenden Ohrgeräuschs durch einen Tinnitusmasker. Dieses Gerät sieht aus wie ein Hörgerät. Durch ein fest definiertes Rauschen, das ein Hörgeräteakustiker einstellt, nimmt der Patient seinen eigenen Tinnitus nicht mehr wahr. Es hilft bei manchen Patienten durchaus – wenn man es vorübergehend nicht mehr benutzt, treten die Ohrgeräusche jedoch umso störender auf. Der Tinnitusmasker kann auch nachts getragen werden.
  • Tinnitus-Retrainingstherapie. Im Rahmen einer Tinnitus-Retrainingstherapie sollen das Ohr und das Gehirn wieder lernen, störende Geräusche auszufiltern. Dazu wird ein Tinnitusnoiser eingesetzt, der ein zweites Rauschen erzeugt, das den Tinnitus aber nicht überdeckt. Wenn sich der Patient auf das neue Geräusch konzentriert, lernt er zugleich, die eigenen dauerhaften Ohrgeräusche auszublenden bzw. nicht mehr als störend wahrzunehmen. Diese Behandlung dauert mehrere Monate und beinhaltet eine intensive psychologische Beratung. Obwohl das Tinnitus-Retraining gute Erfolge zeigt, übernehmen es die gesetzlichen Krankenkassen nicht als Regelleistung – ob und welche Kosten sie im Einzelfall erstatten, sollte daher vor Behandlungsbeginn geklärt werden.
  • Hyperbare Sauerstofftherapie. Wenn sich der Tinnitus hartnäckig hält, versuchen es manche Patienten mit der Druckkammer. Es gibt zwar wenig Daten zu dieser Therapieform, aber Erfahrungsberichten zufolge nimmt bei einigen Betroffenen zumindest die Stärke der Beschwerden ab.
  • Biofeedback. Chronischen Tinnitus mithilfe von Biofeedback zu lindern, ist einen Versuch wert, auch wenn Studien zur Wirksamkeit für diese Indikation bislang nicht eindeutig positiv verlaufen sind.
  • Musiktherapie. Im Deutschen Zentrum für Musiktherapie (DZM) wurde ein Therapiemodell entwickelt, das bei 80 % der Patienten anschlägt. Durch gezielte Übungen mit Musik lernen sie, bewusst Kontrolle über das Ohrgeräusch auszuüben. Neuesten Erkenntnissen zufolge profitieren die Patienten auch langfristig: So nahmen bei ihnen innerhalb von drei Jahren die Ohrgeräusche um durchschnittlich 20 Prozent ab. Selbst Patienten mit sehr starkem Tinnitus sprachen derart gut auf die Musiktherapie an, dass sie mittlerweile nur noch mit leichten Ohrgeräuschen zu kämpfen haben.

Prognose

In etwa 70 % der Fälle verschwindet der Tinnitus von selbst wieder. Bleibt er aber länger als 3 Monate und wird er damit chronisch, ist die Prognose schlechter. Es gibt allerdings Fälle, in denen ein chronischer Tinnitus wieder verschwindet, zudem besteht die Chance, dass er im Verlauf der Jahre zumindest an Intensität verliert.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Der Tinnitus ist kein Notfall, aber durchaus ein Eilfall, denn die Patienten werden durch dieses Symptom sehr verunsichert. Manchmal löst sich das Problem auch durch eine große Portion Schlaf – lassen Sie sich gegebenenfalls ein Schlafmittel verordnen – und anschließendes etwas "Kürzertreten". Tritt der Tinnitus als einziges Symptom auf (also nicht im Rahmen eines Hörsturzes, einer Menière-Krankheit oder einer sonst nachweisbaren Erkrankung), weiß die Wissenschaft noch nicht viel über das Problem. Einige Beobachtungen legen den Schluss nahe, dass es sich um eine neurologische Erkrankung handelt, deren Sitz in der Hörrinde des Schläfenlappens im Gehirn liegt. Es ist zwar durchaus möglich, dass der Tinnitus bleibt, allerdings muss man einräumen, dass sich auch noch nach Jahren chronische Probleme zum Positiven hin ändern können.

Stressmanagement. Vermeiden Sie bei akutem Tinnitus jeden Stress und lassen Sie sich z. B. für einige Tage krankschreiben. Haben Sie öfters Tinnitusepisoden, sollten Sie versuchen, eine Entspannungstechnik oder bestimmte Entspannungsübungen zu erlernen, um den Stress besser abzubauen (z. B. Autogenes Training).

Fokus weg vom Tinnitus. Lenken Sie sich akustisch von Ihrem Tinnitus ab, und versuchen Sie, sich auf andere Geräusche zu konzentrieren. Besonders geeignet sind gleichförmige Hintergrundgeräusche wie sie z. B. ein tickender Wecker oder ein Zimmerspringbrunnen.

Um einen bildhaften Vergleich zu wählen: Betrachten Sie den Tinnitus als lästige Mücke, die nachts in Ihrem Schlafzimmer herumfliegt, aber bei Licht unauffindbar bleibt. Die einzige Chance wieder einzuschlafen, besteht darin, die Decke über beide Ohren zu ziehen und an andere Dinge zu denken, Ihre innere Aufmerksamkeit also wegzulenken vom Störfaktor Mücke. Genauso liegt der Fall beim Tinnitus: Nur wenn Sie ihn innerlich loslassen können, werden Sie ihn besiegen. Konzentrieren Sie sich jedoch auf ihn, reden Sie über ihn, denken Sie auch im Wachzustand an ihn – so haben Sie den Kampf schon verloren. Viele Menschen haben mit dieser Ablenkungsmethode Erfolg. Bei sehr lauten Ohrgeräuschen oder -tönen funktioniert sie jedoch erfahrungsgemäß nur noch bedingt.

Rückzug vermeiden. Ziehen Sie sich nicht zurück und machen Sie den Tinnitus nicht zu Ihrem Lebensmittelpunkt. Bemühen Sie sich um positives Denken und pflegen Sie Ihren Freundeskreis sowie Ihre familiären Beziehungen.

Genussmittel. Finden Sie heraus, ob Ihr Gehör unter Nikotin, Koffein oder Alkohol leidet. Der Tinnitus ist da für viele ein ehrliches Barometer. Und wenn es ausschlägt: Reduzieren Sie das entsprechende Genussmittel radikal.

Sport. Körperliche Bewegung tut gut, auch wenn der Tinnitus direkt nach dem Sport erst einmal etwas intensiver werden kann. Vor allem moderater Ausdauersport hilft, Stress abzubauen und den Tinnitus damit langfristig zu reduzieren.

Entspannung. Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder Tai Chi haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Intensität eines Tinnitus, helfen aber, besser mit Stress bzw. stressbelastenden Situationen umzugehen. Schon aus diesem Grund sind sie als begleitende Maßnahme in der Tinnitustherapie hilfreich.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Ob durchblutungsfördernde Heilpflanzen, allen voran Ginkgo, bei Tinnitus helfen, ist umstritten. Manche Experten zweifeln die Aussagekraft von Studien generell an, nach denen die regelmäßige Einnahme von Gingko-Extrakten sich günstig auf einen chronischen Tinnitus auswirkt.

Akupunktur. Akupunktur kann die Tinnitusbehandlung unterstützen, obwohl nicht geklärt ist, ob die Akupunktur selbst heilsam wirkt oder ob die Betroffenen vom entspannenden Effekt profitieren.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt als Begleitmaßnahme eine individuell abgestimmte Konstitutionstherapie. Häufig eingesetzte Homöopathika bei Tinnitus sind z. B. Calcium carbonicum, Calcium sulfuratum, Coffea, Kalium carbonicum oder Phosphorus.

Prävention

Auslöser identifizieren. Je öfter Sie Tinnitusepisoden haben, desto eher droht Ihr Tinnitus zum Dauerproblem zu werden. Versuchen Sie herauszufinden, welche Faktoren Tinnitusepisoden hervorrufen. Das können Überforderungssituationen im Job sein, aber auch Verkehrsgeräusche, die nachts den Schlaf unterbrechen, ungelöste finanzielle Probleme oder familiäre Schwierigkeiten. Das Leben ist nicht dauerhaft ohne Stress zu haben, deshalb ist es wichtig zu wissen, welche Stressoren genau Ihr Problem sind. Und scheuen Sie dann keinen Aufwand, Ihre "Tinnitus-Provokateure" auszuschalten. Egal, ob ein Arbeitsplatzwechsel, eine Erziehungsberatung oder ein Wohnungswechsel erforderlich sind – tun Sie, was zu tun ist, damit Sie nicht für Jahre und Jahrzehnte unter einem chronischen Tinnitus leiden.

Lärm meiden. Wenn Ihr Arbeitsplatz durch Lärm und Lärmspitzen geprägt ist (z. B. in Abfüllanlagen oder in der Holz- und Metallverarbeitung), sollten Sie mit dem Betriebsarzt offen über Ihr Problem reden. Zumindest bei hochfrequenten Belastungen helfen spezielle Lärmstöpsel und -schutzkapseln. Problematisch ist übrigens auch das Violinespielen – wenn Ihr Tinnitus linksseitig ist, sollten Sie grundsätzlich einen Lärmstöpsel beim Spielen einsetzen. Noch besser sind individuell vom Hörgeräteakustiker nach einem abgeformten Modell angepasste Lärmstöpsel, diese bringen bis zu 25 dB Lärmreduktion.

Selbstverständlich sollte sein, dass Sie nicht notwendige Lärmbelastungen wie Bierzeltfeste oder Restaurantbesuche in lauten Lokalitäten meiden – oder eben Lärmstöpsel tragen – wobei diese, wenn sie wirksam sind, die Verständigung weiter erschweren.

Weiterführende Informationen

  • www.awmf.org – Leitlinien chronischer Tinnitus. Hier werden die gängigen Therapiemethoden auf ihre Wirksamkeit hin bewertet.
  • www.tinnitus-liga.de – Website der Deutschen Tinnitus-Liga.

Trommelfellverletzung

Trommelfellverletzung (traumatische Trommelfellperforation, Trommelfellruptur): Verletzung des Trommelfells, meist durch direkte oder indirekte äußere Gewalteinwirkung, selten durch eine Mittelohrentzündung.

Eine Trommelfellverletzung verheilt in der Regel ohne bleibende Folgen von selbst.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Stechende Schmerzen im betroffenen Ohr
  • Plötzliche Hörverschlechterung
  • Hohles oder taubes Gefühl im Ohr
  • Eventuell Blutaustritt aus dem Gehörgang
  • Eventuell Schwindel und Tinnitus.

Wann zum Arzt

Sofort, wenn

  • Blut aus dem Gehörgang läuft.
  • Sich das Gehör plötzlich verschlechtert oder Schmerzen auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Indirekte Trommelfellverletzungen entstehen meistens durch Druckerhöhungen, z. B. bei einer Ohrfeige, einem Kopfsprung ins Wasser oder dem Abfeuern von Knallkörpern direkt neben dem Ohr. Sie sind häufiger als direkte Trommelfellverletzungen, die z. B. durch unsachgemäße Ohrreinigung mit Wattestäbchen entstehen.

Bei starker Gewalteinwirkung nehmen womöglich auch Mittel- oder Innenohr Schaden, erkennbar an Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit oder einer Gesichtslähmung.

Auch ein Barotrauma (Barootitis, Aerootitis) beim Abstieg während des Tauchens oder bei der Landung eines Flugzeugs kann das Trommelfell beschädigen. Mangelnder Druckausgleich führt dabei zu einem Unterdruck im Mittelohr, wodurch das Trommelfell in das Mittelohr eingesogen wird und schlimmstenfalls reißt. Typische Ursache für eine solche Druckausgleichsstörung ist eine Tubenbelüftungsstörung bei Erkältungsschnupfen.

Komplikationen

Die häufigste Komplikation einer Trommelfellverletzung ist die Infektion des Mittelohrs durch über den Gehörgang eindringende Bakterien (akute Mittelohrentzündung). Warnhinweise dafür sind zunehmende Ohrenschmerzen und/oder der Austritt von eitrigem Sekret aus dem Ohr.

Diagnosesicherung

Eine Trommelfellverletzung erkennt der Arzt sofort beim Blick mit dem Otoskop oder dem Ohrmikroskop in den Gehörgang, dabei sieht er auch, ob sich bereits eine Mittelohrentzündung entwickelt hat. Zusätzlich erfolgen Hörprüfungen und Gleichgewichtsuntersuchungen, um das Ausmaß der Hörminderung und eventuelle zusätzliche Schäden in Mittel- oder Innenohr zu beurteilen.

Behandlung

Das Trommelfell weist ein hohes Selbstheilungsvermögen auf, kleine Risse schließen sich in aller Regel binnen weniger Tage bis Wochen von selbst. Wenn es nicht von selbst heilt, deckt der Arzt den Defekt mit einer Folie ab (Trommelfellschienung) – häufig kommt es dadurch zum spontanen Verschluss.

Operative Behandlung

Wenn die Verletzung nach 2–3 Wochen noch besteht, muss das Trommelfell operativ mit Muskel- oder Knorpelhaut verschlossen werden (Myringoplastik). Bei größeren Verletzungen mit Beteiligung der Gehörknöchelchenkette ist der Eingriff aufwendiger, weil dann auch diese Strukturen operativ wiederhergestellt werden müssen (Tympanoplastik). Nach der Operation legt der Arzt eine Tamponade in den Gehörgang ein, die Verschmutzungen und Infektionen verhindert.

Prognose

Die meisten Trommelfellverletzungen verheilen ohne Folgen von selbst. Bei stark ausgeprägten Verletzungen oder Infektionen des Mittelohres besteht jedoch das Risiko bleibender Hörminderungen bis hin zur Taubheit.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Ohr trocken halten. Das betroffene Ohr muss vor Wasser, Seife und Shampoo geschützt werden. Daher sollte es während der Heilungsphase beim Waschen so weit wie möglich wasserdicht abgeschlossen werden (z. B. mit fettsalbengetränkter und dadurch wasserabweisender Watte).

Geeignete Medikamente

Nasentropfen. Abschwellende Nasentropfen verbessern die Belüftung des Mittelohrs und fördern so den Heilungsprozess.

Ohrentropfen oder -spülungen sind eine Gefahr für das Innenohr und daher bei einem Trommelfellriss verboten.

Nach der OP. Nach einer Ohrenoperation müssen Sie eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen beachten: Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wie lange kein Wasser in den Gehörgang eindringen darf. Hat er die Ohrtamponade bereits entfernt, können Sie vor dem Duschen ein großes Stück Watte mit Bepanthen-Salbe einschmieren und unter einer Duschhaube vor dem Eingang des Gehörganges platzieren. Achtung, die Watte darf nicht in den Gehörgang geschoben werden! Ob Sie schwimmen dürfen, klären Sie bitte mit Ihrem Arzt.

Verzichten Sie für eine optimale Wundheilung auf Nikotin. Naseschnäuzen ist 4 Wochen verboten, müssen Sie niesen, öffnen Sie dabei unbedingt den Mund. Vermeiden Sie, sich beim Schlafen auf das operierte Ohr zu legen.

Die Empfehlungen bezüglich Flugreisen sind unterschiedlich. Die ersten 4 Wochen nach der Operation sollten Sie Flugreisen jedoch besser vermeiden. Auf Sport und Saunagänge verzichten Sie sicherheitshalber 6 Wochen lang.

Wichtig: Acetylsalicylsäure enthaltende Schmerzmedikamente erhöhen die Gefahr des Nachblutens – sie sind deshalb die ersten 10 Tage nach der Operation verboten.

Prävention

Gehörgang schützen. In den empfindlichen Gehörgang sollte prinzipiell nichts hineingesteckt werden. Auch Wattestäbchen sind nicht zur Reinigung tieferer Bereiche geeignet. Nehmen Sie den vorgeschriebenen Gehörschutz ernst, wenn Sie mit Knallkörpern oder Waffen arbeiten oder an Sprengarbeiten beteiligt sind.

Valsalva-Manöver. Stellen Sie vor jedem Tauchgang oder vor Flugreisen sicher, dass der Druckausgleich zwischen Mittelohr und Nasenrachen funktioniert. Eine einfache Möglichkeit, um den Druckausgleich gezielt herbeizuführen, ist das bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannte Valsalva-Manöver: Schlucken Sie und versuchen Sie dann bei geschlossenem Mund und zugehaltener Nase auszuatmen. Dabei sollte es zu einem Druckausgleich über die Ohrtrompete kommen. Ein intaktes Trommelfell wölbt sich währenddessen nach außen, bei einem Defekt findet der Druckausgleich über den Gehörgang statt. Diese Technik hilft auch bei Unterdruck im Mittelohr, z. B. bei Flügen oder Seilbahnfahrten. Taucher passen sich damit an den Wasserdruck in größeren Tiefen an, um ein Barotrauma zu vermeiden.

Tubenbelüftungsstörung und Paukenerguss

Tubenbelüftungsstörung: ein- oder beidseitig gestörte Belüftung des Mittelohrs mit Verlegung der Verbindung zwischen Nasenrachenraum und Mittelohr, die sogenannte Ohrtrompete (auch Tuba auditiva genannt).

Ursachen sind zumeist Schleimhautschwellungen oder Schleimhautwucherungen im Zusammenhang mit Schnupfen oder anderen Infekten oder Entzündungen. Eine Tubenbelüftungsstörung tritt in jedem Lebensalter auf, am häufigsten bei Kindern zwischen 3 und 7 Jahren mit vergrößerten Rachenmandeln, den so genannten Polypen.

Paukenerguss: Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr, die eine Hörminderung verursacht. Ein Paukenerguss ist oft Folge einer Tubenbelüftungsstörung.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Ein- oder beidseitige Hörminderung
  • Knacken, Druck und stechender Schmerz im Ohr
  • Bei Erkältungen: entsprechende Begleitsymptomatik wie Fieber, Schnupfen und beeinträchtigtes Allgemeinbefinden.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • Ohrenschmerzen oder eine Hörminderung auftreten.

Die Erkrankung

Tubenbelüftungsstörungen bei Kindern

Bei Kindern von drei bis sieben Jahren stören vergrößerte Rachenmandeln häufig den Tubenöffnungsmechanismus und beeinträchtigen die Belüftung des Mittelohrs.

Kinder von rauchenden Eltern sind weitaus häufiger betroffen. Bei länger andauernden Tubenbelüftungsstörungen verändert sich die Mittelohrschleimhaut und sondert Schleim ins Mittelohr ab. Diese Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr behindert die Beweglichkeit der Gehörknöchelchen und damit auch die Schallübertragung. Da sich die Kinder der betroffenen Altersklasse in einer wichtigen Phase der Sprachentwicklung befinden, ist eine zügige Behandlung notwendig, um Entwicklungsverzögerungen zu vermeiden.

Tubenbelüftungsstörungen bei Erwachsenen

Tritt eine Tubenbelüftungsstörung mit Paukenerguss im Zusammenhang mit einer Erkältung beim Erwachsenen auf, handelt es sich um ein vorübergehendes Problem, bedingt durch geschwollene Schleimhaut in der Umgebung der Ohrtrompete. Man spricht dann auch von einem Tubenkatarrh. Die Schwerhörigkeit bildet sich unter medikamentöser Behandlung rasch zurück.

Wenn Tubenbelüftungsstörungen im Erwachsenenalter einseitig und ohne zeitlichen Zusammenhang mit einem Schnupfen auftreten, weisen sie möglicherweise auf einen Tumor im Nasenrachenraum hin. Der Zusammenhang ist ähnlich wie bei den kindlichen Rachenmandeln: Der Tubenöffnungsmechanismus ist verlegt, dadurch wird die Mittelohrbelüftung gestört – in der Folge entsteht ein Paukenerguss mit Schwerhörigkeit.

Komplikationen

Tubenbelüftungsstörungen können Vorläufer einer akuten Mittelohrentzündung sein, wenn Bakterien über die Ohrtrompete zum Mittelohr vordringen. Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung von Tubenbelüftungsstörungen bei Kindern, da sonst durch die lange anhaltende Schwerhörigkeit Sprachentwicklungsstörungen drohen.

Diagnosesicherung

Bei der Ohrspiegelung oder -mikroskopie sieht der Arzt in der Regel eine Einziehung des Trommelfells durch den Unterdruck im Mittelohr. Einen Paukenerguss erkennt er an der bernsteinfarbenen Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, bläuliches Schimmern weist auf ein blutiges Sekret hin. Mit einem Tonaudiogramm ermittelt der Arzt den Grad der Schwerhörigkeit.

Behandlung

Bei Tubenbelüftungsstörungen mit Paukenerguss im Kindesalter wartet der Arzt bei normal hörenden und ansonsten gesunden Kindern zunächst 3 Monate ab, ob sich der Erguss von alleine zurückbildet.

Operative Behandlung

In seltenen Fällen ist ein Trommelfellschnitt notwendig. Zu dieser kleinen Operation ist zu raten, wenn eine Schwerhörigkeit dazukommt, die innerhalb von zwei Monaten nicht verschwindet.

Bei der ambulanten Operation wird nach einem Trommelfellschnitt der Erguss abgesaugt, was sofort zu einem normalen Hörvermögen führt. Eventuell legt der Arzt ein kleines Röhrchen in den Schnitt ein (Paukendrainage). Dieses Paukenröhrchen dient dazu, das Trommelfell offenzuhalten, damit die Belüftung des Mittelohrs von außen so lange sichergestellt ist, bis die normale Tubenbelüftung wieder funktioniert. Auf jeden Fall werden in der gleichen Operation auch die Rachenmandeln entfernt, um den Tubeneingang frei zu machen.

Ist die Tubenbelüftungsstörung bzw. der Paukenerguss durch einen Tumor im Nasenrachenraum bedingt, wird ebenfalls eine Paukendrainage durchgeführt, damit der Erguss kontinuierlich abfließt. Gleichzeitig muss natürlich der Tumor behandelt werden.

Pharmakotherapie

Im Rahmen von Erkältungen auftretende Tubenbelüftungsstörungen werden oft mit abschwellenden Nasentropfen und schleimlösenden Substanzen behandelt – beide wirken wissenschaftlichen Studien zufolge aber nicht immer.

Ihr Apotheker empfiehlt

Geeignete Medikamente

Nasenspray. Hat ein Schnupfen die Beschwerden ausgelöst, ist es oft möglich, die zugeschwollene Öffnung der Ohrtrompete mit Nasentropfen zum Abschwellen zu bringen. Häufig verwendete Wirkstoffe dafür sind z. B. Xylometazolin, Oxymetazolin, Tramazolin oder Tetryzolin. Diese träufeln Sie am besten im Liegen bei weit zurückgeneigtem Kopf in die Nase; so fließt der Wirkstoff gut in den Nasenrachenraum ab und erreicht die Ohrtrompete. Wegen der Gefahr der Gewöhnung und der Schädigung der Nasenschleimhaut sollten Sie die Nasentropfen nicht länger als fünf Tage einsetzen.

Ob schleimlösende Medikamente beschleunigend auf den Heilungsprozess wirken, ist umstritten.

Inhalationen.Manchen Patienten helfen auch Nasenspülungen oder Dampfinhalationen mit heißem, fast kochendem Wasser mit oder ohne Zusatz von Kochsalz (ein Esslöffel Salz auf einen Liter Wasser) oder ätherischen Ölen wie z. B. 2–3 Tropfen Eukalyptusöl. Entscheidend ist, dass der heiße Dampf tatsächlich in die Nase dringt: Lassen Sie deshalb das über dem Kopf liegende Handtuch so tief wie möglich herunterhängen, sodass es gerade noch möglich ist, einzuatmen. Alternativ bietet sich ein Dampfinhalator an, den Sie in Ihrer Apotheke oder im Sanitätshaus für wenig Geld kaufen können.

Wer häufig unter Tubenbelüftungsstörungen leidet, trainiert seine Ohrtrompete am besten regelmäßig mit dem Valsalva-Manöver.

Schwimmen mit Paukenröhrchen. In den meisten Fällen sind Paukenröhrchen kein Problem beim einfachen Schwimmen oder Baden. Zur Sicherheit befragen Sie dazu den behandelnden Arzt. Sollte Ihr Kind nach dem Wasserspaß als Komplikation eine Mittelohrentzündung entwickeln, ist es besser, das Schwimmen für die Dauer der Therapie zu meiden. Vom Tauchen mit Paukenröhrchen wird aufgrund des höheren Wasserdrucks generell abgeraten.